Yannick Ebi: "Das tut unheimlich weh"

Swiss Handball League  •  16.06.2020

Ebi Dinart (002)

NLA-Handballer Yannick Ebi (27) muss seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen per sofort beenden. Eine Autoimmunerkrankung zwingt das RTV-Urgestein zum Rücktritt.

Er bestritt zwischen 2011 und 2020 insgesamt 143 Spiele in der Schweizer Handball-NLA (plus 66 in der NLB) und erzielte dabei total 191 Tore. Dazu kommen 28 Tore in 15 Cup-Partien. Doch rund zwei Wochen vor seinem 27. Geburtstag war im Leben des Baslers Yannick Ebi plötzlich alles anders – und seine Spitzensport-Karriere beim RTV 1879 Basel per sofort zu Ende.

Doch der Reihe nach: Yannick Ebi, jüngster Spross aus der Handballer-Familie Ebi mit dem aktuellen RTV-Präsidenten Alex (Yannicks Vater) und seinem Grossvater Gusti, befand sich am Sonntag, 8. März, dieses Jahres in den Vorbereitungen auf das Heimspiel gegen den Spitzenclub Pfadi Winterthur. Zuhause unter der Dusche verspürte er zunächst ein leichtes Stechen in der rechten Niere, aus dem innert Kürze ein stechender Schmerz wurde.

Mit heftigsten Schmerzen konnte er sich in der Folge gerade noch zum Telefon schleppen und seinen Vater anrufen, der seinen Sohn umgehend ins Spital brachte. Was anfänglich nach einer Nierenkolik aussah, entpuppte sich in der Folge als Niereninfarkt, der durchaus tödlich hätte verlaufen können. «Es gab Momente, da dachte ich, dass ich sterben werde», gewährt Yannick Ebi sehr persönliche Einblicke.

Die Familie RTV bleibt

Ursache für den Infarkt war eine Autoimmunkrankheit, unter der Yannick Ebi leidet und die ihn fortan dazu zwingt, konstant eine hohe Dosis Blutverdünner zu sich zu nehmen. Damit verbunden ist ein durch die Ärzte per sofort auferlegtes Verbot von jeglichem Kontaktsport, weil bei Schlägen (wie es sie im Handballsport nun mal gibt) eine latente Gefahr von inneren Blutungen besteht.

Somit erfuhr die Spitzensport-Karriere von Yannick Ebi in seinem geliebten Handballsport ein jähes Ende. «Ich konnte lange Zeit nicht darüber sprechen und habe nach wie vor enorme Emotionen. In den letzten 20 Jahren verbrachte ich keine Woche ohne Handball und nun wird mir so richtig bewusst, wie gerne ich das immer getan habe», sagt Ebi nachdenklich.

Anfänglich war er schlicht schockiert. Der schlimmste Aspekt daran sei, so Ebi, dass es keinen sauberen Abschluss gab und mir dieser Entscheid von einem Moment auf den anderen entrissen wurde. «Das tut unheimlich weh».

In dieser schweren Zeit mit einem mehrwöchigen Spitalaufenthalt konnte Yannick Ebi auf seine Familie und seine Frau zählen. «Sie waren meine Hauptstützen und meine Frau sagte mir immer wieder, dass sie immer für mich da sei. Das werde ich ihr nie vergessen», verspricht er.

Mittlerweile ist der grösste Schmerz etwas verflogen, aber die Trauer bleibt. «Handball ist meine Passion. Ich hatte beim RTV meine Position, meinen Stellenwert, meine Akzeptanz. Einmal RTV, immer RTV; diese Familie bleibt, auch wenn ich nicht mehr mitspielen kann», weiss er ganz genau.

Gegen die Weltbesten gespielt

Wie er genau mit dieser neuen Rolle, die er im Detail noch finden muss und will, umgehen wird, weiss er noch nicht. Aber solange seine besten Kollegen, mit welchen er seit Jahren beim RTV Freud und Leid geteilt hat, das RTV-Dress tragen, wird er dabei sein und bleiben. «Und ich werde mithelfen, die genaue Form wird sich noch weisen. Im Moment kann ich jedoch sicher noch nicht zu nahe beim Team sein, da sind die Emotionen noch zu gross».

Als sportliche Höhepunkte in seiner (zu) kurzen Spitzensport-Karriere nennt er zwei Aufstiege mit dem RTV in die NLA inklusive das Abschiedsspiel von Pascal Stauber vor 2'000 Zuschauern in der proppevollen Rankhofhalle, der Ligaerhalt 2019 und diverse Spiele an den Turnieren Mepha-Cup in Reinach und Traumalix dolo Cup in Basel. Als sportliche Tiefschläge bezeichnet er zwei Abstiege mit dem RTV in die NLB.

Aber die positiven Aspekte überwiegen klar. «Ich habe zwar nie etwas Grosses gewonnen, spielte aber an Turnieren gegen die Besten der Welt wie Didier Dinart, Mikkel Hansen, Luc Abalo, Marco Kopljar oder all die Cracks bei den Rhein-Neckar Löwen mit Andy Schmid», erzählt er stolz und mit glänzenden Augen. 

Etwas Positives kann Yannick Ebi der neuen Situation aber dennoch abgewinnen. Er kann sich beruflich auf seine Karriere in der Immobilien-Bewirtschaftung bei der Wohnbau-Genossenschaft Nordwest konzentrieren und hat fortan sicher deutlich mehr Zeit für seine Frau. Seine andere Familie bleibt jedoch der RTV.

Quelle: Meinrad Stöcklin/Bild: Robert Varadi

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