Nationalteam Männer • 15.01.2026

Sie kommen mit tausenden Fans, einer klaren Spielidee und dem Selbstverständnis eines Teams, das sich in den letzten Jahren Schritt für Schritt etabliert hat. Die Färöer Inseln sind zum EM-Auftakt kein exotischer Gegner mehr, sondern ein Team, das weiss, wie man auf grosser Bühne besteht. Die Färöer werden genau deshalb zur ersten grossen Bewährungsprobe für die Schweiz.
Die Färöer Inseln sind in Oslo längst kein unbekanntes Gesicht mehr und schon gar kein klassischer Aussenseiter. Spätestens seit der EM 2024 haben sie sich auf der europäischen Handball-Landkarte etabliert. Damals begeisterte das Team mit seinem mutigen, unbeschwerten Auftritt und schrieb mit dem späten Unentschieden gegen Norwegen Geschichte: der erste Punktgewinn der Färöer an einem grossen Turnier. Die Bilder der jubelnden Fans gingen um die Welt, der Begriff der "Champions der Herzen" war geboren.
Seither ist viel passiert. Das Team ist älter, reifer und erfahrener geworden und es hat ihren Entwicklungsschritt eindrücklich bestätigt. In der Qualifikation für die EM 2026 belegten die Färöer souverän den ersten Platz in ihrer Gruppe und qualifizierten sich damit zum zweiten Mal in Folge für eine Endrunde. Anders als noch vor zwei Jahren reisen sie nicht mehr als Überraschungsteam an, sondern als Gegner, den jeder ernst nimmt und auf den sich alle gezielt vorbereiten. Der Kern des Teams besteht aus einer Generation, die seit Jugendjahren zusammenspielt. Viele Akteure standen bereits als Junioren gemeinsam auf dem Feld, gewannen 2019 das European Open und holten 2025 mit der U21 den ersten internationalen Medaillengewinn der Verbandsgeschichte. Dieses gewachsene Zusammenspiel verleiht dem Team eine besondere Geschlossenheit.
Sportlich tragen vor allem zwei Namen das Spiel der Färöer. Elias Ellefsen á Skipagøtu (Nr. 71) ist der kreative Kopf und emotionale Leader. Der Spielmacher des THW Kiel war an der EM 2024 gemeinsam mit Flügel Hákun West av Teigum Topskorer seines Teams und wurde 2023 als IHF World Young Player of the Year ausgezeichnet. Seine Bedeutung für das Spiel der Färöer ist unbestritten, umso schwerer wiegt seine aktuelle Schulterverletzung. Nationaltrainer Peter Bredsdorff-Larsen erklärte, dass Skipagøtu im besten Fall als Joker zum Einsatz kommen könne. Eine Einschränkung, die die Statik des Spiels verändern dürfte - sollte er denn tatsächlich ausfallen. Noch stärker in den Vordergrund rückt damit Óli Mittún (Nr. 78). Der erst 20-jährige Rückraumspieler gilt als eines der grössten Talente Europas, wurde an der Junioren-WM 2025 MVP und bringt bereits auf höchstem Niveau Durchschlagskraft, Spielintelligenz und Abschlussqualität mit. Unterstützt wird er von weiteren jungen Akteuren, die inzwischen Verantwortung übernehmen, auch weil das Trainerteam bewusst auf Breite und Rollenflexibilität setzt.
Was die Färöer zusätzlich gefährlich macht, ist ihre taktische Variabilität. Das Team agiert mutig, scheut auch unkonventionelle Lösungen nicht und nutzt insbesondere das 7-gegen-6 konsequent und diszipliniert. Gleichzeitig lebt ihr Spiel von Tempo, Emotion und der Energie ihrer Fans. In Oslo werden bis zu 7’000 färöische Anhänger erwartet: ein Faktor, der bereits 2024 eine spürbare Wirkung entfaltete und auch diesmal den Rahmen prägen dürfte. Nationaltrainer Bredsdorff-Larsen weiss um die veränderte Ausgangslage: Die Färöer sind kein Überraschungsteam mehr. "Die Gegner haben uns studiert und wissen, wie wir spielen", sagte er im Vorfeld gegenüber der EHF. Der Anspruch bleibt dennoch hoch: den nächsten Schritt zu machen und erstmals die Hauptrunde einer Europameisterschaft zu erreichen.
Damit wird deutlich, was die Schweiz zum EM-Auftakt erwartet: ein eingespieltes Team mit klarer Identität, hohem Tempo und enormer emotionaler Wucht. Für das Team Schweiz bedeutet das, dass der Start ins Spiel mindestens so wichtig ist wie der Spielplan selbst. Anlaufzeiten wird es keine geben. Die Schweiz wird von Beginn an nahe an ihrem Optimum spielen müssen, um dem Rhythmus, der Aggressivität und der Fanunterstützung des Gegners standzuhalten. Genau hier liegt aber auch ihre Chance: Gelingt es, die erste Phase zu kontrollieren, Ballverluste zu minimieren und dem Spiel Struktur zu geben, kann das Schweizer Team ihre gewachsene Reife, taktische Flexibilität und Kaderbreite ausspielen. Der Auftakt gegen die Färöer ist kein Endspiel, aber der mögliche Dosenöffner für das gesamte Turnier. Gelingt es dem Team um Captain Nikola Portner, dem Tempo und der Intensität standzuhalten? Dieser Turnier-Auftakt wird wohl bereits entscheidend sein für den weiteren Verlauf der EM. Das Spiel gibt es am Freitag, 16. Januar, ab 20:10 Uhr live auf SRF zwei zu sehen.
Der SHV ist der nationale Fachverband und das Kompetenzzentrum für den Handballsport in der Schweiz.
Der SHV ist Mitglied von Swiss Olympic sowie des Weltverbands IHF und der Europäischen Handball Föderation EHF.
Schweizerischer Handball-Verband
,
Tannwaldstr. 2, 4600
Olten
Tel +41 31 370 70 00
-
shv-fsh@handball.ch