Entwicklung braucht Zeit

Nationalteam Männer  •  24.01.2026

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Das Schweizer Nationalteam steht an der EHF EURO in der Hauptrunde, zum ersten Mal seit 22 Jahren. Mit dem Unentschieden gegen Ungarn hat sie dort erstmals überhaupt einen Hauptrunden-Punkt gewonnen. Zwei Meilensteine, die im Turnieralltag schnell überlagert werden, in der Gesamteinordnung aber zeigen, welche Entwicklung das Team von Andy Schmid genommen hat.

Nationaltrainer Andy Schmid fand dafür nach dem Spiel die passenden Worte: "Bäume wachsen nicht in den Himmel." Ein Satz, der die aktuelle Phase der Schweizer Nati treffend beschreibt. Die Richtung stimmt, der Fortschritt ist sichtbar, doch Entwicklung auf diesem Niveau braucht Zeit, Geduld und Erfahrung.

Die bisherigen Auftritte in der Vorrunde und der Hauptrunde bestätigen das Bild, das die Zuschauenden vom Team aktuell erhalten: Die Schweiz stellt eines der jüngsten Teams des Turniers, kombiniert viel Talent mit wachsender internationaler Erfahrung und bewegt sich aktuell in einem Lernprozess, der sich nicht linear vollzieht. Genau diese Mischung aus Mut, Tempo und gelegentlicher Unruhe zeigt sich auch auf dem Feld. In allen EM-Spielen hat die Schweiz bewiesen, dass sie mit den Topnationen auf Augenhöhe agieren kann. Gegen die Färöer, gegen Slowenien, gegen Ungarn erspielte sich das Team jeweils eine gute Ausgangslage, übernahm phasenweise die Kontrolle und setzte seine Spielidee konsequent um. Gleichzeitig offenbarten diese Partien, wie schmal der Grat auf diesem Niveau ist. Kurze Phasen ohne Kontrolle, mit Unsicherheit und daraus entstandenen technischen Fehlern oder vergebenen klaren Chancen reichen aus, um Spiele kippen zu lassen.

Dass die Schweiz nach dem bitteren Einbruch gegen Slowenien in einer vergleichbaren Situation gegen Ungarn nicht erneut zusammenbricht, sondern zumindest einen Punkt sichert, zeugt vom ersten kleinen Entwicklungsschritt. Es ist ein Zeichen von mentaler Reife, die sich Schritt für Schritt entwickelt. Oder wie es Noam Leopold nach dem Spiel einordnete: "Gegen Slowenien haben wir eine ähnliche Situation erlebt und sind ohne Punkt zurück ins Hotel. Jetzt nehmen wir zumindest etwas mit. Das ist ein Schritt." Auch aus historischer Perspektive ist dieser Punkt von Bedeutung. Die Schweiz ist nicht nur wieder in der Hauptrunde, sie punktet dort erstmals. Das ist kein Endziel, sondern ein Zwischenstand in einem längerfristigen Prozess, der auf Kontinuität, Spielidentität und internationale Erfahrung setzt.

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Kroatien, Island und Schweden
Mit Blick auf die kommenden Spiele gegen Kroatien, Island und Schweden ist die Ausgangslage klar. Es warten Teams, die seit Jahren zur erweiterten europäischen Spitze gehören, die regelmässig an Finalwochenenden stehen und über enorme Turniererfahrung verfügen. Die Schweiz wird in diesen Partien nicht als Favoritin antreten, aber nach den bisherigen Leistungen definitiv ernst genommen. Gerade darin liegt der Wert dieser Hauptrunde. Die Spiele sind weniger eine Frage von Tabellenrechnerei als vielmehr Standortbestimmungen unter maximalem Druck. Wo hält die Defensive über 60 Minuten stand? Wie stabil bleibt der Angriff in entscheidenden Phasen? Und wie geht das Team mit Rückschlägen innerhalb eines Spiels um? Es sind Spiele, die diesem jungen Team helfen, sich weiterzuentwickeln. 

Lenny Rubin brachte den Fokus nach dem Ungarn-Spiel klar auf die kommenden Aufgaben: "Wir wissen, dass wir in diesen Phasen ruhiger bleiben müssen. Aber wir sehen auch, dass wir Spiele auf diesem Niveau offen gestalten können. Jetzt geht es darum, das über 60 Minuten hinzubringen." Und genau das ist der Kern dieser Hauptrunde. Die Schweiz sammelt Erfahrungen, die sich nicht trainieren lassen. Erfahrungen gegen Teams, die in der Lage sind, jede Unsicherheit zu bestrafen, aber auch Räume öffnen, wenn man den Mut hat, das eigene Spiel zu spielen. Andy Schmid hat betont, dass es nun darum gehe, Euphorie zuzulassen, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Das Team soll diese Spiele nicht als Last, sondern als Chance begreifen. Als Möglichkeit, weiter zu wachsen und sich an das höchste europäische Niveau heranzuarbeiten.

Bäume wachsen nicht in den Himmel. Aber sie wachsen, besonders dann, wenn man sie pflegt und zu ihnen schaut und ihnen den Raum lässt, den sie zum wachsen benötigen. Wie sich die Schweizer Auswahl präsentiert, ihre Anspielzeiten und alle weiteren News gibts in unserer EM-Themenwelt.

Quelle: SHV / Beni Rachad (Text); kolektiff (Bilder)

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