Swiss Premium League • 19.02.2026

Wenn am Sonntag in der Win4 Arena in Winterthur der Mobiliar Handball Cup der Frauen entschieden wird, kommt es zur Neuauflage eines Duells, das den Atem des Schweizer Frauenhandball vor zwei Jahren mindestens kurzfristig zum stehen gebracht hat: Der LC Brühl Handball trifft auf GC Amicitia Zürich; amtierender Meister gegen Herausforderer, Rekordtitelträger gegen aufstrebende Zürcherinnen. Es ist die Neuauflage des dramatischen Playoff-Final 2024.
Spätestens seit der dramatischen Playoff-Serie im Frühjahr 2024 versrpicht diese Paarung ausgeglichene Resultate. Damals gewann der LCB die entscheidende fünfte Partie erst nach Verlängerung mit 31:30, nachdem man sich sieben Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit noch in die Zusatzzeit gerettet hatte. Für die St. Gallerinnen war es der 33. Meistertitel der Vereinsgeschichte und die Vollendung des Triples. Für GC Amicitia blieb die Erkenntnis, dass der Abstand zum Serienmeister minimal geworden ist. Diese Entwicklung hat sich spätestens mit der Verpflichtung von Ex-Nationalspielerin Kerstin Kündig zu den Stadtzürcherinnen intensiviert und in der laufenden Saison bestätigt.
Die bisherigen Direktduelle der aktuellen Saison verliefen ausgeglichen. Im September setzte sich GC Amicitia in St. Gallen mit 26:25 durch. Ein Auswärtssieg, der Selbstvertrauen verlieh und die Ambitionen der Zürcherinnen unterstrich. Im November schlug der LC Brühl jedoch zurück und gewann in Zürich mit 29:26. Beide Partien waren geprägt von hoher Intensität, taktischer Disziplin und Phasen, in denen Details den Ausschlag gaben. Genau das ist auch für den Cupfinal zu erwarten.
Road2Winterthur
Der Weg nach Winterthur verlief für beide Teams souverän, wenn auch mit unterschiedlichen Voraussetzungen. GC Amicitia absolvierte vier Partien, musste sich nach klaren Erfolgen gegen unterklassige Gegnerinnen im Viertel- und Halbfinal jedoch gegen etablierte SPL1-Teams behaupten. Besonders das 27:20 bei den Spono Eagles im Halbfinal demonstrierte Reife und Stabilität. Auffällig war dabei die mannschaftliche Geschlossenheit: GCA agierte kompakt in der Abwehr, nutzte Ballgewinne konsequent für Gegenstösse und kontrollierte das Tempo der Partie. Für Aufsehen sorgte bereits im Achtelfinal Leonie Aellen. Die Mobiliar-Topskorerin erzielte gegen die SG HV Olten 22 Treffer und stellte damit einen neuen Cuprekord auf. Sie übertraf die bisherige Bestmarke von Pascale Wyder (21 Tore im Jahr 2018 für die Spono Eagles). Diese individuelle Klasse verleiht dem Zürcher Angriff zusätzliche Durchschlagskraft, insbesondere wenn das Spiel in die Tiefe geht oder einfache Lösungen gefragt sind.
Der LC Brühl Handball stieg als amtierender Meister erst im Achtelfinal ein und hatte entsprechend eine Partie weniger zu bestreiten. Nach deutlichen Erfolgen gegen Erstligisten gewann das Team von Headcoach Raphael Kramer das vereinsinterne Halbfinale gegen das eigene SPL2-Team klar mit 33:18. In der Meisterschaft gelang zuletzt ein 41:29 gegen den HV Herzogenbuchsee. Dabei zeigte sich die offensive Qualität des Rekordmeisters deutlich, auch wenn defensiv nicht jede Phase überzeugte. Entscheidend war einmal mehr die Effizienz: Mit nur fünf unerzwungenen Ballverlusten kontrollierte Brühl das Spielgeschehen und nutzte Fehler des Gegners konsequent aus.
Zwischen Klub-Wettbewerb und Nationalteam
Sportlich interessant wird im Final insbesondere das Zusammenspiel zwischen individueller Klasse und kollektiver Disziplin. Beide Teams verfügen über stabile Abwehrreihen und Torhüterinnen, die Spiele prägen können. In der Finalserie 2024 war es unter anderem Seraina Kuratli, die GCA mit einer starken Leistung im Spiel hielt. Auf Brühler Seite überzeugten damals Malin Altherr und Laurentia Wolff (letztere spielt mittlerweile in der deutschen Bundesliga) mit hoher Abschlussquote und Führungsqualitäten in entscheidenden Momenten. Hinzu kommt die nationale Dimension dieses Finals. Gleich sieben aktuell aufgebotene Schweizer Nationalspielerinnen stehen am Sonntag auf dem Feld. Beim LC Brühl sind es Malin Altherr, Clairebel Coker und Louise Truchot, bei GC Amicitia Joline Erni, Kim Erni, Seraina Kuratli und Nationalteam-Debütantin Lea Schärer. Für sie ist der Cupfinal nicht nur ein Titelspiel, sondern auch eine unmittelbare Standortbestimmung im Hinblick auf die bevorstehenden EM-Qualifikationsspiele gegen die Niederlande.
Gerade diese enge Verzahnung zwischen Klub- und Nationalteam-Ebene verleiht der Partie zusätzliche Qualität. Die Spielerinnen kennen sich aus gemeinsamen Lehrgängen, wissen um Stärken und Schwächen der Gegenseite und bewegen sich auf einem taktisch wie athletisch hohen Niveau. Das erhöht die Intensität, verlangt aber auch mentale Stabilität. Finals werden nicht allein mit Systemen gewonnen, sondern mit Klarheit in den entscheidenden Momenten.
Rekordmeisterin oder die Erstarkten?
Für den LC Brühl geht es darum, seine historische Stellung im Schweizer Frauenhandball weiter zu untermauern. Zwölf Cupsiege und 34 Meistertitel sprechen für Erfahrung und Konstanz. Gleichzeitig ist der Titelhunger nach dem verlorenen Cup des Vorjahres deutlich spürbar. GC Amicitia hingegen steht erstmals seit 2005 wieder in einem Cupfinal. Der Verein hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich aufgebaut und mehrfach bewiesen, dass er auf Augenhöhe mit den Rekordmeisterinnen agieren kann. Der Final des Mobiliar Handball Cup bietet die Chance, diese Entwicklung mit einem Titel zu krönen.
Die Vorzeichen deuten auf ein Duell hin, in dem Nuancen entscheiden werden: Abschlussquote, Fehleranfälligkeit unter Druck, Torhüterinnenleistung und das Umschaltspiel nach Ballgewinnen. Beide Teams verfügen über die Qualität, ein Spiel zu dominieren und beide haben erlebt, wie schnell sich in einem Final alles drehen kann. Genau das macht diese Begegnung so reizvoll. Winterthur darf sich auf einen Final freuen, der nicht nur einen Pokalträger bestimmt, sondern den aktuellen Leistungsstand im Schweizer Frauenhandball sichtbar macht. Erfahrung trifft auf Ambition, Geschichte auf Gegenwart und vermutlich erneut auf ein Spiel, das erst in den letzten Minuten entschieden wird.
Tickets für den Cupfinal sind weiterhin erhältlich, ab 11:30 Uhr stehen zudem die Cupfinals der Nachwuchswettbewerbe an; Pfadi Winterthur misst sich im MU19 mit der HSG Nordwest, der LK Zug im FU18 mit dem LC Brühl Handball.
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