Zurück zu alter Stärke – und bereit für mehr

13.08.2026

Jannis Scheidiger hat eine bewegte Saison hinter sich: herausfordernde Monate beim HC Kriens-Luzern, ein Höhenflug im Playoff-Final und der erste Schweizermeistertitel seiner Karriere. Nun kehrt der Torhüter leihweise zum HSC Suhr-Aarau zurück, mit dem Ziel, Selbstvertrauen zu tanken und viel Verantwortung zu übernehmen.

Er hat sich durch schwierige Phasen gekämpft, durchgehalten und am Ende jubeln dürfen. Für die Krienser war es der erste Schweizermeistertitel der Clubgeschichte. Für Jannis Scheidiger der erste Schweizermeistertitel seiner Karriere. Und spezieller hätte sich dieser für ihn kaum anfühlen können. Nach seinem Wechsel vom HSC Suhr-Aarau zum HC Kriens-Luzern zu Beginn der Saison 2025/26 gestaltete sich die Situation für Jannis schwieriger als erhofft. Zwar zeigte er solide Spiele, seine Bestleistung konnte er jedoch nicht immer abrufen. Insgesamt tat er sich eher schwer damit, hinter dem routinierten Kevin Bonnefoi im Krienser Tor zu Spielzeit zu gelangen.

Bis zum Playoff-Final gegen die Kadetten Schaffhausen. Jannis kam regelmässig zu Einsätzen. Ihm gelangen wichtige Paraden. Er zeigte sich als der erhofft starke Rückhalt. Und so hatte er entscheidenden Anteil am ersten Schweizermeistertitel des Vereins. Wie ist es ihm gelungen, nach einer schwierigen Saison im Playoff-Final so gross aufzuspielen? «Einerseits wusste ich schon aus der Vergangenheit, dass Playoffs immer wieder so etwas wie ein Neustart sind. Es geht in kürzester Zeit um alles oder nichts. Andererseits gab mir auch die Perspektive für die neue Saison mit der Leihe zum HSC Suhr-Aarau Sicherheit. Dadurch konnte ich befreit aufspielen. Zudem spürte ich das Vertrauen, das ich plötzlich erhielt. Das alles in der Kombination hat mir extrem geholfen.»

Dass er den Titel nicht einfach mitgewonnen, sondern aktiv dazu beigetragen hat, bedeutet Jannis viel: «Ich kann jetzt Zuhause die Medaille anschauen, dabei nicht nur stolz auf das Team sein, sondern auch auf mich. Es ist ein Titel, der auch mir gehört.»

Mit Meistermedaille zurück «nach Hause»
Und nun kommt es zum Neustart. Zu einem Start, der sich eigentlich gar nicht so neu anfühlt. Jannis Scheidiger kehrt leihweise zurück. Dorthin, wo seine Karriere so richtig Fahrt aufgenommen hat. Beim HSC Suhr-Aarau ist er zwischen 2021 und 2025 zum Stammspieler, zur unverzichtbaren Nummer eins gereift. Und seit dem Saisonstart am vergangenen Mittwoch hütet er erneut das Tor des Traditionsvereins. Für Jannis fühlt sich das wie ein Nachhause-Kommen an. «Der Kader hat sich zwar stark verändert. Trotzdem kenne ich den Verein sehr gut. Ich werde von den Leuten akzeptiert und geschätzt. Es freuen sich alle, dass ich wieder da bin. Das gibt mir viel Kraft und Selbstvertrauen.»

Dass er in der Saison 2026/27 viel Einsatzzeit bekommt und Verantwortung trägt, ist Jannis wichtig. Darum ist diese Leihe aus seiner Sicht die optimale Lösung. Nach dem Titelgewinn mit Kriens-Luzern wurde er oft gefragt, ob er den schon zuvor vereinbarten Wechsel bereue. Dies verneint er klar: «Der Playoff-Final hat die vergangene Saison sehr schön enden lassen. Endlich konnte ich wieder richtig gute Leistungen zeigen. Trotzdem war es insgesamt gesehen keine einfache Saison für mich. Nun will ich im bekannten und vertrauten Umfeld wieder konstant zu meiner alten Form finden oder am liebsten noch stärker werden.»

Jannis möchte als Führungsspieler vorangehen und dem Team so bestmöglich helfen. Er selbst beschreibt sich als ruhiger Leader-Typ. Einer, der in der Halle stets volle Präsenz zeigt, sich an Regeln hält und einen respektvollen Umgang pflegt. Zusammen mit dem Team möchte er in der neuen Spielzeit das Maximum herausholen. Was das Maximum sein wird, das wird sich zeigen. Jannis sieht auf jeden Fall viel Potenzial: «Wir sind ein junges Team. Ich bin überzeugt davon, dass wir gemeinsam mit unserem neuen Trainer Petr Hrachovec viel erreichen können. Hinter der Spitze mit den Kadetten Schaffhausen und dem HC Kriens-Luzern ist aus meiner Sicht die Liga sehr offen. Es kann alles passieren.»

Bereit für die nächste Prüfung
Klar. Reflektiert. Versöhnt mit der vergangenen Saison. Und ambitioniert im Hinblick auf die neue Saison. So zeigt sich Jannis Scheidiger im Gespräch. So erstaunt es auch nicht, dass er aus Rückschlägen sehr viel Positives zieht: «Es gehört im Sport dazu, dass es Höhen und Tiefen gibt. In schwierigen Momenten spreche ich mit den wichtigsten Menschen in meinem Umfeld. Dieser Rückhalt hilft mir immer enorm. Zudem ist es aus meiner Sicht wichtig, auch in herausfordernden Momenten möglichst ruhig zu bleiben und die richtigen Schlüsse zu ziehen. So kann man aus schwierigen Momenten sehr viel lernen.»

Er sieht den Leistungssport als eine Lebensschule, die ihn auch abseits der Halle stärker macht: «Handball ist mein Beruf. Es geht um Erfolge. Zum Beispiel darum, einem Verein zum ersten Titel zu verhelfen. So verspüre ich natürlich oftmals einen gewissen Druck. Doch durch diese Drucksituationen gewinne ich an Stärke und Resilienz, wovon ich auch abseits des Sports profitiere. Durch die Erfahrungen aus dem Spitzensport empfinde ich beispielsweise den Druck vor einer Prüfung im Studium plötzlich nicht mehr so gross. Das ist schon faszinierend.»

Die ein oder andere Prüfung im sportlichen Sinne wird auch sicher in der Saison 2026/27 auf Jannis Scheidiger warten. Welche Geschichte er mit dem HSC Suhr-Aarau schreibt, das steht noch in den Büchern. Doch egal ob die neue Spielzeit von Höhen, Tiefen oder gar einem Titelgewinn geprägt wird – Jannis ist bereit. Für alles.

Quelle: SHV; Daniela Wicky (Text) / Martin Deuring (Bild)

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