Nationalteams Nachwuchs • 28.07.2026

Die Schweizer U19-Nationalmannschaft reist mit grossen Zielen an die Europameisterschaft nach Belgrad. Trainer Predrag Milicic erklärt, weshalb er sehr zuversichtlich ist – und warum er seinen Spielern keine Sightseeing-Tipps gibt.
Die Stars von morgen stehen schon heute im Rampenlicht. Unter diesem Motto geht ab Mittwoch die U18-EM in Serbien über die Bühne. Ein Blick auf frühere Toptalente offenbart auch die Namen von zwei Schweizern: Kevin Jud und Luka Maros. Beide beendeten jeweils ein Kontinentalturnier der zweithöchsten Juniorenstufe als Torschützenkönig – Jud im Jahr 2010, Maros im Jahr 2012. Beide Rückraumspieler machten anschliessend in der Schweiz Karriere: Jud prägte Pfadi Winterthur, Maros tut dasselbe noch immer bei den Kadetten Schaffhausen.
Und nun? Verfügen wir wieder über einen Kandidaten für die Torjägerkrone? «Unsere Prioritäten sind anders gesetzt», antwortet U19-Nationaltrainer Predrag Milicic. «Wir investieren viel Energie in eine stabile Abwehr und wollen hinten eine Wand hinstellen.» Generell sei sein 16-Mann-Aufgebot nicht mit Stars gespickt, sondern gefalle mit Ausgewogenheit, erklärt Milicic und erinnert sich an seinen Ex-Trainer Veselin Vujovic, wenn er anfügt: «Er war der stärkste Spieler der Welt, weil er das beste Gesamtpaket präsentierte. Auch wir sind an keiner Stelle absolut top, jedoch sehr ausgeglichen.»
Diese Einschätzung lässt es erahnen: Das Schweizer U19-Nationalteam hat in den kommenden beiden Wochen Grosses vor. Kürzlich erreichten unsere U21-Junioren an der EM den formidablen achten Rang, in diese Region möchte auch Milicic mit seiner Auswahl vorstossen. «Ich sehe Deutschland als Favoriten», vermerkt Milicic mit Bezug auf jenen Gegner, dem man jüngst in zwei Testspielen unterlag (29:34; 26:35). «Dahinter befinden sich aber viele Nationen auf Augenhöhe. Ich habe in der Vorbereitung viele Spiele gesehen und stelle fest: Mit unserem Niveau gehören wir in die Top 8.»
Bereits die Vorrunde hat es allerdings in sich, in der Gruppe D treffen die Schweizer auf Ungarn (Mittwoch, 19.30 Uhr), Montenegro (Donnerstag, 14.30 Uhr) und Island (Samstag, 14.30 Uhr). Ungarn und Island sind internationale Schwergewichte, Milicic sieht die Erfolgschancen jeweils in einem 50:50-Verhältnis. Mindestziel ist Platz zwei, um in die Hauptrunde der besten Zwölf einzuziehen. «Wir nehmen Schritt für Schritt, unser Fokus liegt derzeit nur auf dem ersten Spiel. Allerdings haben wir alles, was es braucht: Geduld, Struktur, Disziplin und Detailarbeit.»
Konkret: In der Abwehr übernimmt der gross gewachsene Leon Süss (Pfadi Winterthur) die Chefrolle, unterstützt von den Kreisläufern Nevio Rychener (Kadetten Schaffhausen) und Finn Anderes (Suhr Aarau). Dahinter stehen mit Lou Wey (Kriens-Luzern) und Lino Schneider (Suhr Aarau) zwei starke Torhüter. Eine effektive Waffe ist der Gegenstoss, wobei vor allem das Tempo der Linksaussen Ben Zimmermann (Kriens-Luzern) und Nico Petrig (GC Amicitia Zürich) genutzt werden soll. Im Angriff führt Janis Thomann (Baden-Endingen) Regie. Eher untypisch für die Schweiz, kann er mit Quentin Fuchs (Kriens-Luzern) und Robin Völkle (Suhr Aarau) im Aufbau auch auf linkshändige Kollegen zählen.
Apropos Linkshänder: Auch Milicic war ein Vertreter dieser Gilde. Vor seiner Zeit in der Schweiz (Bern, Biel, Stäfa) studierte der heute 50-jährige Bosnier neben seinem handballerischen Engagement in Belgrad, und damit genau dort, wo nun die U18-EM stattfindet. Hält er für seine Jungspunde auch den einen oder anderen Sightseeing-Tipp bereit? Predrag Milicic lacht und verneint: «Ich weiss, wo in Belgrad die Gefahren im Ausgang lauern. Ferien mache ich mit meiner Frau und meinen Kindern. Bei den Spielern habe ich lieber, wenn sie den Tunnelblick haben.»
Kader
Finn Anderes, 2009; HSG Aargau Ost (KL)
Tobia Appenzeller, 2008; HSG Nordwest (RL)
Quentin Fuchs, 2008; SG Pilatus (RR)
Noam Hunziker, 2008; HSC Suhr Aarau (FR)
Dzejlan Kozar, 2008; Pfadi Winterthur (KL)
Nico Petrig, 2008; GC Amicitia Zürich (FL)
Leon Portmann, 2009; SG Pilatus (RM)
Nevio Rychener, 2009; Kadetten Schaffhausen (KL)
Lino Schneider, 2008; HSG Baden-Endingen (TH)
Leon Schurter, 2008; Fortitudo Gossau (FR)
Levin Steingruber, 2008; Pfadi Winterthur (RM)
Leon Süss, 2008; Pfadi Winterthur (RL)
Janis Thomann, 2009; HSG Baden-Endingen (RM)
Robin Völkle, 2008; HSC Suhr Aarau (RR)
Lou Wey, 2008; SG Pilatus (TH)
Ben Zimmermann, 2009; SG Pilatus (FL/RM)
Reserve
Sven Brandt-dit-Siméon, 2008; HSC Suhr Aarau (RR)
Fynn Müller, 2009; Kadetten Schaffhausen (KL)
Lenny Mürset, 2009; HSC Suhr Aarau (FR)
Oliver Signer, 2009; SG Pilatus (RL)
Till Theiler, 2008; SG Pilatus (FL)
Jonas Zinniker, 2009; HSC Suhr Aarau (TH)
Leitung
Predrag Milicic, U19 Nationaltrainer
Lukas Von Deschwanden, U19 Assistenztrainer
Miloš Čučković, Torhütertrainer
Fabian Reinsberger, Physiotherapeut
Loris Oehen, Teamarzt
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