U18-WM: Schweiz erfüllt die Pflicht und steht nun vor der Reifeprüfung

Nationalteams Nachwuchs  •  02.08.2026

Jubel An Der U18 WM Frauen

Drei Vorrunden-Siege, Rang eins und beste Aussichten auf den Viertelfinal. Die Schweizerinnen sind an der U18-WM auf Kurs – und freuen sich auf eine Premiere.

Die Bandbreite der Stärkeverhältnisse ist riesig, die Ergebnisse an der U18-Weltmeisterschaft in Rumänien sind teilweise kurios. Deutschland deklassiert Usbekistan mit 44:13, Dänemark schlägt Mexiko mit 47:10 oder Ungarn gewinnt gegen Kanada mit 53:15. Am meisten zu bemitleiden, sind allerdings die Fidschi-Inseln, die in dieser Verfassung eigentlich nichts an diesem globalen Event verloren haben. Die Handball-Exoten verloren in der Vorrunde gegen Frankreich mit 2:55, gegen Kroatien mit 4:67 und gegen Ägypten sogar mit 17:83.

Ausgeglichener gestaltete sich die Situation in der Gruppe H, wobei es auch hier einen dominanten Sieger zu feiern gab: die Schweiz. Zwar war sie die Favoritin, «doch dass wir so durchmarschieren würden, war im Vorfeld nicht klar gewesen», bilanziert Cheftrainer Jürgen Fleischmann das Vorrunden-Abschneiden mit Siegen über Slowenien (31:28), Algerien (28:14) und Serbien (31:21). Knacknuss war dabei das Startspiel am letzten Mittwoch gegen Slowenien. «Dort mussten wir bis zum Schluss um die zwei Punkte fighten.»

Spielerisch stark – «aber nicht so abgezockt»

Slowenien lag nach etwas mehr als 20 Minuten mit zwei Toren in Front, noch vor der Pause schafften die Schweizerinnen aber die Wende (17:15). Stark war die agile und antizipative 6-0-Abwehr, Jael Billeter glänzte im Tor mit einer Fangquote von 40 Prozent. Im Angriff fand die SHV-Auswahl dank ihren spielerischen Qualitäten immer wieder mit Isolationen und Durchbrüchen zum Erfolg. Nach dem Seitenwechsel brachten sie den Vorsprung verdient ins Ziel, allerdings nicht so abgeklärt, wie es sich Fleischmann gewünscht hätte. «Unsere Spielerinnen sind erst 17-jährig, nicht 35. So abgezockt sind wir noch nicht.»

Die weiteren Siege waren derweil Formsache, Algerien und Serbien waren klar unterlegen, auch den Reservistinnen im Kader konnte so reichlich Spielzeit gewährt werden. Besonders ins Rampenlicht spielte sich bisher Linksaussen Lauryn Mierzwa vom LC Brühl, die nach der Vorrunde das WM-Torschützenklassement mit 32 Treffern anführt. «Ich habe selten eine Spielerin gesehen, die so stark an Widerständen wachsen kann wie Lauryn. Sie kann den Hebel umlegen und lernen», lobt Fleischmann die 16-jährige Rechtshänderin.

Löst die Schweiz gegen Japan das Viertelfinal-Ticket?

Die Schweizerinnen qualifizieren sich damit für die Zwischenrunde der besten 16 Teams und nehmen das Ergebnis gegen den Gruppenzweiten Slowenien mit. Als nächstes treffen sie in der Gruppe 4 auf zwei spannende Kontrahentinnen – Japan (Mo 13 Uhr) und die aktuelle U17-Europameisterin Slowakei (Di 10.45 Uhr). «Ausser unsere Goalietrainerin Manuela Brütsch spielte bei uns noch niemand gegen Japan», berichtet Fleischmann. Die Aufgabe sei knifflig, «Japan ist sehr unbequem, deckt in einem sehr offensiven 3-3-System und ist auf den Beinen noch schneller als wir».

Die Schweiz wird ihren Spielstil deshalb anpassen, etwas Tempo rausnehmen, um die Anzahl der technischen Fehler zu reduzieren. Die asiatischen Gegenstossspezialistinnen bestrafen nämlich jeden Fehler rigoros, hat Fleischmann in der Videoanalyse festgestellt. Möglicherweise setzt er auf das sonst eher selten praktizierte Offensivspiel mit sieben Angreiferinnern, um die Verteidigung von Japan etwas zurückzudrängen. Besteht die Schweiz die Reifeprüfung, wäre die Viertelfinal-Qualifikation bereits geschafft.

Alle Resultate und weitere Infos finden Sie hier.

Quelle: Handballworld AG

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