Nationalteam Männer • 13.05.2026

Am heutigen Mittwochabend beginnt für das Schweizer Männer-Nationalteam die entscheidende Phase auf dem Weg an die WM 2027. Im Zürcher Hallenstadion trifft das Kollektiv von Nationaltrainer Andy Schmid im Playoff-Hinspiel auf Italien. Anwurf ist um 19 Uhr. Das Rückspiel folgt am Sonntag in Faenza.
Die Ausgangslage ist klar: Die Schweiz will sich nach der starken EHF EURO 2026 und dem elften Rang an der WM 2025 diesmal aus eigener Kraft für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Der Weg dorthin führt über Italien; einen Gegner, der in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Entwicklungsschritt gemacht hat.
Das sind die Italiener
Italien qualifizierte sich für die EHF EURO 2026 erstmals sportlich für eine Europameisterschaft. Zuvor war die Squadra Azzurra nur 1998 als Gastgeber am Turnier vertreten. Bereits an der WM 2025 hatte Italien auf sich aufmerksam gemacht: Unter Riccardo Trillini gelang die erste WM-Teilnahme seit 28 Jahren, am Ende resultierte Rang 16. Danach nahm der italienische Verband einen Wechsel an der Seitenlinie vor. Bob Hanning übernahm das Team und führte es in den verbleibenden EM-Qualifikationsspielen an die Endrunde. An der EURO 2026 spielte Italien die Vorrunde in Kristianstad. Zwar schied das Team nach Niederlagen gegen Island, Ungarn und Polen aus, doch gerade diese Gruppe zeigt, wie ernst der heutige Gegner zu nehmen ist. Island und Ungarn waren später auch Hauptrundengegner der Schweiz und gegen beide Teams spielte die Schweiz stark mit, holte jeweils ein Unentschieden und bestätigte damit ihren Platz unter den aufstrebenden Nationen Europas. Italien bringt Qualität aus internationalen Topligen mit. Spieler wie Simone Mengon, dessen Einsatz am heutigen Abend noch fraglich ist, Leo Prantner oder Mikael Helmersson haben sich in Deutschland bewiesen, dazu kommen Akteure wie Thomas Bortoli und Andrea Parisini aus der französischen Liga. Unter Bob Hanning steht Italien für eine offensive, aggressive Deckung, die den gegnerischen Angriff früh unter Druck setzt. Im Angriff agieren die Italiener variabel, oft mit vier Rückraumspielern, viel Eins-gegen-eins-Stärke und der Möglichkeit, jederzeit auf Distanzschützen umzustellen.

Für die Schweiz ist diese Barrage auch historisch aufgeladen. Über viele Jahre war eine WM-Endrunde für das Männer-Nationalteam ausser Reichweite. Nach der Teilnahme 1995 dauerte es bis 2021, ehe die Schweiz wieder auf der grossen Weltmeisterschaftsbühne stand und auch damals nicht über den klassischen sportlichen Weg. Weil die USA wegen mehrerer positiver Corona-Fälle kurzfristig nicht antreten konnten, rückte die Schweiz nach und erhielt die Chance, sich international zu präsentieren. Es war ein wertvoller Moment für den Schweizer Handball, aber eben noch nicht der erhoffte Durchbruch über eine erfolgreiche Qualifikation. Zwei Jahre später folgte die nächste Enttäuschung. Für die WM 2023 konnte sich die Schweiz nicht qualifizieren, der Weg zurück an die Weltspitze blieb steinig.
Bittere Niederlage in der 2025-Quali
Umso schmerzhafter war dann die Barrage vor der WM 2025 gegen Slowenien. Die Schweiz hatte trotz schwierigem Los auswärts im Hinspiel mit einem 27:26-Sieg vorgelegt und damit die Hoffnung auf das WM-Ticket genährt. Im Rückspiel in Winterthur entwickelte sich vor 2000 Zuschauerinnen und Zuschauern ein Drama. Nach der knappen Heimniederlage war die Ausgangslage über beide Spiele ausgeglichen, wegen der abgeschafften Auswärtstorregel musste das Siebenmeterwerfen entscheiden. Dort kippte das Glück auf die Seite der Slowenen. Während Slowenien seine Würfe verwertete, scheiterten Samuel und Manuel Zehnder. Felix Aellen hielt die Schweizer Hoffnung nochmals am Leben, doch nach dem entscheidenden Treffer von Kavcic jubelte Slowenien. Für die Auswahl von Andy Schmid war es ein bitterer Moment: sportlich auf Augenhöhe, über zwei Spiele ganz nahe am Ziel, und doch blieb das WM-Ticket zunächst ausser Reichweite.
Wenig später folgte allerdings die Wende. Die Schweiz erhielt eine Wildcard für die WM 2025. Im Schweizer Lager war die Freude gross, zugleich wurde die Einladung als Anerkennung für die starken Auftritte gegen Slowenien verstanden. Nationaltrainer Andy Schmid sprach damals von einer grossartigen Sache und einem wertvollen Auftritt auf der grossen WM-Bühne. Auch SHV-Zentralpräsident Pascal Jenny wertete die Wildcard als Bestätigung dafür, dass sich die Handball Schweiz auf dem richtigen Weg befindet. Das Team nutzte diese Chance eindrücklich: Mit Rang 11 unter 32 Nationen bestätigte die Schweiz, dass sie international konkurrenzfähig ist.
Nun soll der nächste Schritt folgen. Nicht über eine Wildcard, nicht als Nachrücker, sondern sportlich auf dem Feld. Aus eigener Kraft. Das Heimspiel im Hallenstadion bietet der Schweiz die Chance, sich eine gute Ausgangslage für das Rückspiel in Italien zu schaffen. Das Team von Andy Schmid hat an der EURO 2026 gezeigt, dass sie gegen starke europäische Gegner bestehen kann. Jetzt gilt es, diese Entwicklung in eine erfolgreiche WM-Qualifikation zu übertragen. Italien kommt mit der Ambitionen, den Schweizern das Leben möglichst schwer zu machen, so Bob Hanning. Die Schweiz möchte den eingeschlagenen Weg bestätigen und die Qualifikation für diesen Grossanlass realisieren. Dass sie dieses Ziel selbstbewusst formulieren darf, hat auch mit der Qualität im eigenen Kader zu tun. Das Nationalteam verfügt heute über eine Breite und internationale Erfahrung, wie sie im Schweizer Männerhandball lange nicht selbstverständlich war. Mehrere Spieler stehen regelmässig in starken europäischen Ligen im Einsatz, viele Leistungsträger haben in den vergangenen Jahren auf höchstem Niveau wichtige Rollen übernommen. Dazu kommt eine Generation, die bereits mehrfach bewiesen hat, dass sie grosse Gegner nicht nur ärgern, sondern über längere Phasen dominieren kann.
Besonders wertvoll ist dabei die Mischung im Team. Die Schweiz verfügt über Rückraumspieler mit individueller Klasse, über Tempo im Umschaltspiel, robuste Kreisläufer, starke Torhüter und Flügel, die auch unter Druck effizient abschliessen können. Gleichzeitig ist das Kader nicht nur von einzelnen Namen abhängig. Gerade an der EURO 2026 wurde sichtbar, dass die Schweizer Auswahl über verschiedene Lösungen verfügt. Welchen Schritt das Team seit der Euro gemacht hat, wenn Spiele eng, hektisch oder körperlich intensiv werden, kann es heute zeigen (Anpfiff 19:00 Uhr, Hallenstadion Zürich).
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