Sackstark! Schweizer Mentalitätsmonster sind erneut Weltklasse

Nationalteams Nachwuchs  •  10.08.2026

«Auf eine gute Art realitätsblind» – so umschreibt Nationaltrainer Jürgen Fleischmann die Schweizer U18-Auswahl. Der Traum von der WM-Medaille erfüllt sich zwar nicht, trotzdem erringt sie mit Rang fünf das nächste Topergebnis.

Wenige Sekunden sind am Sonntag im letzten WM-Spiel noch zu absolvieren. Jürgen Fleischmann, der Trainer des U18-Nationalteams, lässt sich auf den Stuhl sacken und umarmt seine Assistentin Caro Emmenegger. Kurz darauf ist Schluss. Die Schweiz schlägt im Klassierungsspiel um Platz fünf Europameister Slowakei mit 37:31 und beendet die U18-WM, wie schon im Vorjahr die U17-EM, auf dem fünften Rang. «Erleichterung, Erschöpfung – es ist eine Last von mir gefallen», umschreibt Fleischmann seine Emotionen. Und: «Es war ein schöner Abschluss. Die Girls haben sich nochmals bis zum letzten Moment voll reingekniet.»

Erneut klassieren sich die hochtalentierten Jahrgänge 2008 und 2009 inmitten der Weltklasse. Sogar die erstmalige WM-Medaille rückte in Griffweite, im Viertelfinal vom vergangenen Donnerstag musste sich die Schweiz dem späteren Weltmeister Spanien nur knapp mit 25:27 geschlagen geben. Auch ohne die mit einem Bruch des Mittelhandknochens ausgefallene Abwehrchefin und Kreisläuferin Cristina Hofstetter spielte die zweitälteste Nachwuchsauswahl des Landes auf höchstem Niveau – in der 48. Minute führte sie mit drei Toren Differenz (22:19).

Schweiz schlägt Europa- und Asienmeister

Und dann? «Passierten uns ein paar Fehler, fehlte ein wenig Wettkampfglück.» Aber: «Wir waren am Limit, können nicht viel besser spielen. Spanien war einen Tick besser. Das müssen wir akzeptieren, das macht die Niederlage erträglich.» Bemerkenswert: Die Schweizerinnen liessen sich trotz der Enttäuschung, trotz des geplatzten Podest-Traums, in den anschliessenden Klassierungsspielen nicht gehen. Tags darauf deklassierten sie Asienmeister China mit 38:25, ehe sie wie eingangs geschildert die Slowakei besiegten – gegen den Europameister hatte man in der Hauptrunde noch verloren (27:32). «Die Spielerinnen sind wirklich Mentalitätsmonster», staunt Fleischmann.

Eigentlich wollte er die Taktikbesprechung nach dem Scheitern im Viertelfinal auf zehn Minuten beschränken, am Ende seien sie aber fast eine dreiviertel Stunde dran gesessen. «Sie wollten die Szenen nochmals sehen, weiter diskutieren. Das ist nicht selbstverständlich, zumal das Pensum mit acht Spielen innert zwölf Tagen extrem gross war.» Auch neben dem Platz sei die Stimmung stets gut gewesen, «es kam nie Lagerkoller auf», berichtet Fleischmann und er hält fest: «Die Spielerinnen lösen viele Probleme selbstständig. Sie sind keine Mädchen mehr, sondern Frauen.»

Lauryn Mierzwa ist WM-Torschützenkönigin

Auffällig ist die Homogenität des Kaders. Wer reinkommt, funktioniert, nicht nur die Stammspielerinnen setzen Akzente. «Wir sind im Vergleich zum letzten Jahr breiter geworden. Die zweite Formation kann den Abstand zumindest halten und sorgt für eine super Entlastung», vermerkt Fleischmann. Aus dem Kollektiv heraus, ragte Linksaussen Lauryn Mierzwa, die nicht nur im Allstar-Team der WM steht, sondern mit 71 Treffern auch Torschützenkönigin geworden ist. Oder Nora Emmenegger, die als Rechtshänderin im rechten Aufbau am zweitmeisten Assists (36) spielte.

Nun ziehen sie weiter ins U20-Nationalteam, derweil Jürgen Fleischmann in der U18-Auswahl die neuen Jahrgänge 2010 und 2011 begrüssen wird. «Letztes Training, letzte Matchvorbereitung, letztes Spiel – ich habe in den vergangenen Tagen schon etwas eine Krise geschoben. Es war eine spezielle Mannschaft», erklärt Fleischmann und er fügt an: «Ab jetzt bin ich nicht mehr ihr Trainer, sondern ihr Fan. Diese Generation ist auf eine gute Art realitätsblind: Es ist egal, wer ihr gegenübersteht – sie geht davon aus, dass sie gewinnen wird. Ich erwarte von den Spielerinnen, dass sie auch nächstes Jahr wieder die allerhöchsten Ziele anstreben werden.»

Schlussrangliste – IHF Women's Youth (U18) World Championship 2026

  1. Spanien
  2. Montenegro
  3. Dänemark
  4. Ägypten
  5. Schweiz
  6. Slowakei
  7. China
  8. Ungarn
  9. Japan
  10. Frankreich
  11. Niederlande
  12. Rumänien
  13. Deutschland
  14. Südkorea
  15. Schweden
  16. Slowenien
  17. Portugal
  18. Kroatien
  19. Brasilien
  20. Tunesien
  21. Tschechien
  22. Serbien
  23. Argentinien
  24. Kasachstan
  25. Guinea
  26. Kanada
  27. Angola
  28. Mexiko
  29. Uruguay
  30. Usbekistan
  31. Algerien
  32. Fidschi
Quelle: Handballworld AG

Das könnte dich auch interessieren

Der SHV ist der nationale Fachverband und das Kompetenzzentrum für den Handballsport in der Schweiz.
Der SHV ist Mitglied von Swiss Olympic sowie des Weltverbands IHF und der Europäischen Handball Föderation EHF.

Schweizerischer Handball-Verband ,
Tannwaldstr. 2, 4600 Olten
Tel +41 31 370 70 00 -
shv-fsh@handball.ch


Zum Seitenanfang