Rang neun und klare Aufgaben für die nächste Etappe

Nationalteams  •  26.10.2026

Drei Siege, Rang neun und die Erkenntnis, dass mehr möglich gewesen wäre: Die Schweizer U16-Juniorinnen ziehen nach der ersten WM in Marokko eine gemischte Bilanz. Die Sparks haben ihr Potenzial gezeigt, es aber zu selten über ein ganzes Spiel abgerufen. Für ihre weitere Entwicklung liefert das Turnier konkrete Ansatzpunkte.

Für Zoé Häusler beginnt die erste WM mit einem Moment, der bleibt: Die Namen werden einzeln aufgerufen, dann erklingt die Schweizer Hymne. «Das war ein sehr krasser Moment, in dem man langsam realisiert hat, was man gerade erlebt», erzählt sie nach dem Auftakt. Gemeinsam mit dem Team die Hymne zu singen, sei etwas ganz Besonderes gewesen. Am Ende dieser Premiere stehen für die Sparks ders U16-Nationalteams drei Siege aus fünf Spielen und Rang neun. Ein erfolgreicher Abschluss mit Siegen gegen Tunesien und Paraguay, aber eine Platzierung, die den eigenen Ansprüchen nicht entspricht. Nationaltrainer Jürgen Fleischmann sagt deutlich: «Wir haben das Rangziel deutlich verfehlt. Wir wollten in den Rängen 1–4 mitspielen.»

Potenzial gezeigt, Konstanz vermisst
Wie lässt sich dieses Turnier einordnen? Für Fleischmann wiegt besonders die Niederlage gegen Ägypten schwer. Nach dem klaren Auftaktsieg gegen Argentinien fehlten dem Team dort die Bereitschaft, die Zweikämpfe anzunehmen, und die Konsequenz im Angriff. Vorbereitete Absprachen wurden zu oft nicht eingehalten. Dass das Team mehr kann, zeigte es gegen Russland. Gegen einen körperlich starken und technisch gut ausgebildeten Gegner nahm es die Zweikämpfe an und hielt das Spiel lange offen. Trotz der Niederlage war es für Fleischmann der beste Auftritt der Vorrunde. Gerade dieser Unterschied macht die sportliche Bilanz anspruchsvoll: Das Team konnte einem starken Gegner über weite Strecken auf Augenhöhe begegnen, brachte diese Qualität aber nicht verlässlich auf den Platz. Auch bei den beiden Siegen zum Abschluss fand die Schweizer Auswahl erst nach der Pause richtig ins Spiel.

Dabei hatten die Schwierigkeiten unterschiedliche Ursachen. Gegen Tunesien stellte Fleischmann ausdrücklich fest: «Die Bereitschaft war zu jedem Zeitpunkt da.» Hier ging es darum, eine funktionierende Aufstellung und passende Lösungen zu finden. Sein Hinweis zum deutlichen Sieg ist deshalb wichtig: «Das Schlussresultat täuscht aber ehrlich gesagt schon ein bisschen darüber hinweg, dass wir eine Halbzeit lang nach Lösungen gesucht haben.»

Entwicklung wird im Zusammenspiel sichtbar
Was solche Lösungen konkret bedeuten, beschreibt Torhüterin Carla Roth. Gegen Tunesien gab sie Viola Brandt-dit-Siméon Hinweise zur Position der Gegnerin und zum richtigen Zeitpunkt, diese zu verteidigen. «Gleichzeitig habe ich versucht, sie zu pushen und ihr Selbstvertrauen zu geben.» Zusammen mit Lucienne Ebinger gelang es, das Zentrum besser zu schliessen. Das Trainerteam hatte in der Pause eine breitere Spielanlage gefordert, um Räume für die zweikampfstarken Spielerinnen zu schaffen. Roth unterstützte das Umschaltspiel mit Gegenstosspässen. Taktische Anpassungen, Kommunikation und individuelle Aktionen griffen zunehmend ineinander. Hier bekommt der Zusammenhalt, den Häusler bereits nach dem Auftakt hervorhob, eine konkrete sportliche Bedeutung. «Alle freuen sich für einen, und wenn einmal ein Fehler passiert, wird man sofort aufgemuntert. Dieser Zusammenhalt hat mir auf dem Feld viel Selbstvertrauen und Sicherheit gegeben.»

Für Fleischmann gehört dazu auch, Leistungen abseits der Tore wahrzunehmen. Die «Chrampfer» in der Deckung seien genauso wichtig wie die erfolgreichen Werferinnen. Ebinger hob er für ihre aktive Rolle im Abwehrzentrum hervor, Brandt-dit-Siméon für ihre Fortschritte im Angriff.

Der internationale Vergleich zeigt die nächsten Aufgaben
Die Erfahrungen in Marokko geben dem Team damit konkrete Hinweise für die weitere Arbeit. Fleischmann sieht Verbesserungsbedarf im Deckungsverhalten und im Angriff. Sein Fokus liegt auf den individuellen Fähigkeiten und dem Zusammenspiel in kleinen Gruppen. «Dort sind wir den Topnationen wie Deutschland, Ungarn oder Russland unterlegen.» Die nächste Gelegenheit, diese Punkte unter internationalem Widerstand zu bearbeiten, folgt im Dezember bei einem Vierländerturnier in Paris. Als Gegner sind voraussichtlich Frankreich, Kroatien und Dänemark vorgesehen.

Für die Spielerinnen bleibt daneben die persönliche Erfahrung einer ersten WM. Roth beschreibt, wie wertvoll es war, unterschiedliche Nationen und Spielweisen kennenzulernen. Vor dem Abschlussspiel formulierte sie einen Anspruch, der auch über Marokko hinaus Bestand hat: «Ich möchte, dass wir als Team von Anfang an bereit sind, füreinander kämpfen und über 60 Minuten konsequent bleiben.» Genau darin liegt eine der nächsten Aufgaben der jungen Schweizerinnen: ihre vorhandenen Qualitäten auch unter wechselnden Anforderungen von Beginn an und über ein ganzes Spiel einzusetzen.

Quelle: SHV / Beni Rachad (Text); kolektiff (Bild)

Das könnte dich auch interessieren

Der SHV ist der nationale Fachverband und das Kompetenzzentrum für den Handballsport in der Schweiz.
Der SHV ist Mitglied von Swiss Olympic sowie des Weltverbands IHF und der Europäischen Handball Föderation EHF.

Schweizerischer Handball-Verband ,
Tannwaldstr. 2, 4600 Olten
Tel +41 31 370 70 00 -
shv-fsh@handball.ch


Zum Seitenanfang