Es kommt zur Belle in den Abstiegs-Playouts der QHL!

Top-Ligen  •  23.04.2026

203 Qhl Play Outs

Die Playout-Serie der Quickline Handball League zwischen dem HSC Suhr Aarau und Handball Stäfa kann enger kaum sein und geht nun in ihre dramatischste Phase. Nach vier intensiven, umkämpften und emotional aufgeladenen Spielen steht es 2:2. Am Samstag kommt es in der Aarauer Schachenhalle (18:00 Uhr) zur alles entscheidenden "Belle" – ein Spiel um Sein oder Nichtsein in der höchsten Schweizer Liga. Doch über dem sportlichen Showdown schwebt eine zusätzliche, kaum weniger brisante Frage: Gibt es überhaupt einen Absteiger?

Diese Playout-Serie ist der Inbegriff eines Abstiegskampfs. Kaum spielerischer Glanz, dafür umso mehr Kampf, Emotionen und Wendungen. Jede Partie hatte ihre eigene Dramaturgie und doch zog sich ein roter Faden durch alle Spiele: Kleinigkeiten entscheiden. Spiel 1 ging an Stäfa (33:31), das sich nach anfänglichem Rückstand steigern konnte und die Unsicherheiten der Aarauer konsequent ausnutzte. Besonders die Defensive der Zürcher sowie Torhüter Luca Frei legten den Grundstein für das Break im Schachen.

Die Reaktion aus Aarau folgte prompt, allerdings nicht nur sportlich. Nach der Auftaktniederlage zog der Verein die Reissleine: Trainer Aleksandar Stevic wurde beurlaubt, neu übernahm Urs Mühlethaler mit Markus Berchten und Defensivspezialist Viran Morros. Ein klarer Weckruf. Dieser zeigte Wirkung. Mit einem abgeklärten Auswärtssieg in Spiel 2 holte sich der HSC das Break (33:30) zurück. In Spiel 3 folgte dann ein dramatischer Heimsieg der Aarauer (31:30), entschieden in den letzten Sekunden. Plötzlich lag Suhr Aarau in der Serie vorne. Doch wer dachte, das Momentum sei endgültig gekippt, wurde eines Besseren belehrt.

Stäfas Antwort vor Rekordkulisse
Spiel 4 in Stäfa brachte die nächste Wendung. Vor über 1'500 Zuschauenden zeigte das Heimteam eine beeindruckende Reaktion. Angeführt von einem überragenden Torhüter Marco Wyss (im Bild) dominierte Stäfa phasenweise klar und lag zwischenzeitlich mit sechs Toren in Führung. Der HSC wirkte überraschend passiv, leistete sich unkonzentrierte Fehler und fand kaum Zugriff, weder offensiv noch defensiv. Erst in der Schlussphase kamen die Aargauer nochmals heran, doch war dies eher den nachlassenden Zürchern zu verdanken. Am Ende stand es 33:32 für Stäfa und damit der Ausgleich in der Serie. Damit ist klar: Die Entscheidung fällt im fünften Spiel. Finalissima. Belle. Alles oder nichts.

Psychologie als Schlüssel
Vor Spiel 5 dürfte die mentale Komponente entscheidend sein. Während Stäfa mit Rückenwind aus dem letzten Spiel nach Aarau reist, steht der HSC vor eigenem Publikum massiv unter Druck. Die mediale Kritik nach Spiel 4 war deutlich: uninspiriert im Angriff, anfällig in der Defensive, phasenweise ohne Gegenwehr. Genau hier ist nun Interimstrainer Urs Mühlethaler gefragt; kann er mit seinem Team das Blatt wenden? Denn eines ist klar: Rein spielerisch trennen die beiden Teams kaum Welten. Die Serie wurde bislang durch Nuancen entschieden. Oder anders gesagt: Wer am Samstag die Nerven behält, bleibt in der Liga.

Die grosse Ungewissheit: Gibt es überhaupt einen Absteiger?

Doch während sich in Aarau alles auf den sportlichen Showdown konzentriert, sorgt die Situation in der Nationalliga B für weitere Hochspannung. Drei Teams haben ihr Aufstiegsinteresse angemeldet: der TV Möhlin, die HSG Baden-Endingen sowie CS Chênois Genève Handball. Allerdings erfüllen nur Möhlin und Baden-Endingen die infrastrukturellen Anforderungen für die QHL, während Chênois trotz sportlicher Ambitionen durch das Raster fällt. Und weil die beiden Innerschweizer Teams auf Rang 1 (Handball Emmen) und 2 (BSV Stans) ihrerseits kein Aufstiegsinteresse angemeldet haben, spielt nun das Nachrückungsrecht bis Rang vier eine entscheidende Rolle. Die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag ist entsprechend brisant: Genf belegt mit 29 Punkten Rang 3, ist jedoch nicht aufstiegsberechtigt, Baden-Endingen (28P) liegt auf Rang 4 und wäre es, die SG Yellow/Pfadi Espoirs (28P) folgt auf Rang 5 ebenfalls ohne Aufstiegsrecht, und Möhlin (26P) rangiert auf Platz 6, ist aber aufstiegsberechtigt. Und genau hier beginnt die Komplexität der Situation zu drei möglichen Szenarien:

Szenario 1: Kein Aufsteiger – kein Absteiger
Gewinnt Genf gegen Baden-Endingen und gewinnt gleichzeitig Pfadi, rutschen zwei nicht aufstiegsberechtigte Teams auf die Plätze 3 und 4.
Die Folge: Kein sportlicher Aufsteiger → kein Absteiger aus der QHL.

Szenario 2: Baden-Endingen macht alles klar
Gewinnt Baden-Endingen gegen Genf, ist der Aufstieg fix – unabhängig von allen anderen Resultaten.
Die Folge: Die HSG Baden-Endingen steigt für den Verlierer aus der QHL-Belle auf.

Szenario 3: Möhlin profitiert
Gewinnt Möhlin und verlieren sowohl Baden-Endingen als auch Pfadi, rutscht Möhlin, sofern es die gegenüber Pfadi und Baden schlechtere Tordifferenze aufholen könnte, auf einen aufstiegsberechtigten Platz und steigt auf.
Die Folge: Der TV Möhlin steigt für den Verlierer aus der QHL-Belle auf.

Der letzte Spieltag entscheidet

Damit steht fest: Selbst der sportliche Verlierer der Belle zwischen dem HSC Suhr Aarau und Handball Stäfa ist nicht zwingend abgestiegen. Ein Szenario, das diesem ohnehin schon packenden Abstiegskrimi eine fast surreale Note verleiht. Während auf dem Feld um jeden Ball, jeden Zentimeter und jede Sekunde gekämpft wird, könnte die endgültige Entscheidung über Ligaerhalt oder Abstieg erst Stunden später fallen – abhängig von den Resultaten in der Nationalliga B (Anspiel am Samstag um 19:30 Uhr). Mehr Drama geht kaum: Eine Best-of-5-Serie, die in einer alles entscheidenden Finalissima gipfelt, zwei Teams auf Augenhöhe, ein Trainerwechsel mitten im Existenzkampf und parallel eine Ligasituation, die den sportlichen Ausgang plötzlich relativiert. Am Samstag entscheidet sich in Aarau vieles, aber vielleicht eben nicht alles. Oder anders gesagt: Es ist alles angerichtet für eine Finalissima, die in Erinnerung bleiben wird.

Alle Partien sind live auf RED+ zu sehen.

Quelle: SHV / Alexander Wagner (Bild)

Das könnte dich auch interessieren

Der SHV ist der nationale Fachverband und das Kompetenzzentrum für den Handballsport in der Schweiz.
Der SHV ist Mitglied von Swiss Olympic sowie des Weltverbands IHF und der Europäischen Handball Föderation EHF.

Schweizerischer Handball-Verband ,
Tannwaldstr. 2, 4600 Olten
Tel +41 31 370 70 00 -
shv-fsh@handball.ch


Zum Seitenanfang