Nationalteams Nachwuchs • 20.07.2026

Die Schweizer U21-Nationalmannschaft beendet die U20-EM auf dem achten Rang. «Grossartig», sagt Trainer Petr Hrachovec, denn das gelang in unserer Geschichte bisher erst einmal.
Am Schluss gehen die Schweizer auf dem Zahnfleisch. Nur neun Tore schiessen sie am Sonntag in der zweiten Halbzeit gegen Spanien. Sie können sich vorne kaum noch durchsetzen, und wenn sie gute Chancen herausspielen, scheitern sie oft im Abschluss. In der Abwehr fehlt derweil der Zugriff. Eins-gegen-eins-Duelle, welche sie zu früheren Zeitpunkten im Turnier häufig für sich entschieden haben, gehen nun mehrheitlich verloren. Kurz: Die Schweizer U21-Nationalmannschaft ist mit den Kräften am Ende. Die 29:33-Niederlage im Spiel um Platz sieben ist auf diese Weise nicht zu verhindern.
Am positiven Gesamteindruck ändert dies allerdings nichts. Die Schweiz beendet die U20-Europameisterschaft in Rumänien auf Platz acht und egalisiert damit das Bestergebnis aus dem Jahr 2012. «Für uns ist das ein riesiger Erfolg. Eine EM ist schwerer als eine WM. Acht Spiele innerhalb von zwölf Tagen sind Wahnsinn. Wir haben eine grossartige Kampagne gespielt», resümiert Cheftrainer Petr Hrachovec und er betont: «Zehn Spieler im Kader gehören zum jüngeren Jahrgang oder sind sogar U19-Nationalspieler. Wir spielten mit einem sehr jungen Team. Ich bin extrem stolz.»
Fakt ist: Die älteste Juniorenauswahl unseres Landes setzte in den letzten Wochen zu einem markanten Steigerungslauf an. Überraschend souverän überstand sie die Vorrunde, deklassierte der Reihe nach die Türkei (50:32), Serbien (35:25) und die Färöer Inseln (40:23). Damit erreichte die Schweiz als Gruppensiegerin die Hauptrunde der besten zwölf Teams und sicherte sich gleichzeitig die Qualifikation für die U21-WM im nächsten Jahr. In der Hauptrunde folgte nach der 30:32-Niederlage gegen Deutschland das Highlight gegen Frankreich, welches man mit 29:26 bezwang.
Damit stand die Schweiz im Viertelfinal und traf dort auf das grosse Dänemark, das nicht nur bei den Männern, sondern auch auf U21-Stufe Weltmeister ist. Etwas mehr als eine Halbzeit lang hielt die SHV-Auswahl gut mit, dann setzte sich die Klasse des Gegners durch – schliesslich siegten die Dänen mit 36:29. In den Klassierungsspielen folgten zwei weitere Niederlagen, gegen Frankreich (30:34) und Spanien (29:33) machte sich das grösste Schweizer Manko bemerkbar: die Ausgewogenheit des Kaders. «Wir müssen trotzdem die Realität sehen», erklärt Hrachovec. «Personell sind wir limitiert.»
Konkret: Die Schweizer können nicht wie andere Nationen ohne Leistungsabfall durchwechseln, in der Breite fehlt uns im Vergleich mit der europäischen Spitze die Qualität. Auf Akteuren wie Torhüter Lino Schneider, den Innenblock-Verteidigerin Mathis Rüegger und Moritz Heinl, sowie den Rückraumspielern Nils Epp und Tiago Cuencas lastete grosse Verantwortung. Letzterer entpuppte sich auf Rückraum Mitte als «Dreh- und Angelpunkt», wie es Hrachovec formuliert. «Tiago hat unser Spiel durch seine spielerischen und menschlichen Qualitäten extrem geprägt.»
Im All-Star Team der EM, die mit einem 34:32-Finalsieg Ungarns gegen Schweden endete, figurierte der 18-jährige Spielmacher von Pfadi Winterthur zwar nicht, dort waren keine Handballer helvetischer Abstammung zu finden. Mit 67 Toren landete Cuencas aber auf Platz drei des Torschützenklassements. Generell gefielen die Schweizer nicht mit individuellen Aufritten, sondern im Kollektiv. Die Abwehr war über weite Strecken sehr solid, der Angriff gefiel mit List und hohem Tempo, der Zusammenhalt war stark. «Es bereitete mir Freude, wie wir uns als Team präsentiert und wie wir die Schweiz vertreten haben», berichtet Hrachovec. «Das motiviert uns für die Zukunft.»
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