Gestatten: Das nächste Toptalent aus dem Hause Mierzwa

Nationalteams Nachwuchs  •  12.08.2026

Lauryn Mierzwa An Der U18 WM 2026

Die Schweizer U18-Juniorinnen setzen an der WM mit Platz fünf das nächste, dicke Ausrufezeichen. Herausragend war Lauryn Mierzwa: Die 16-jährige Thurgauerin lässt sich zur Torschützenkönigin krönen.

«Ich habe selten eine Spielerin gesehen, die so stark an Widerständen wachsen kann wie Lauryn. Sie kann den Hebel umlegen und lernen.» Mit diesen Worten adelt U18-Nationaltrainer Jürgen Fleischmann seinen Star in der Offensive, Lauryn Mierzwa. Am Ende avancierte die 16-jährige Linksaussen an der Weltmeisterschaft in Rumänien mit 71 Treffern zur Torschützenkönigin. «Das hat mich mega gefreut», sagt Mierzwa und bescheiden fügt sie an: «Ohne die Assists meiner Mitspielerinnen und das Vertrauen des Trainers, der mich auch Penaltys schiessen lässt, wäre dies nicht möglich.» Ihr Erfolgsrezept: «Hoch springen, lange warten und schauen, was der Goalie macht.»

Aus dem Nichts kommt die 1,70-Meter grosse Rechtshänderin aus Neuwilen im Kanton Thurgau allerdings nicht – ebenso wie an der WM stand sie auch vor einem Jahr an der U17-EM im Allstar-Team. Das Talent ist ihr, ebenso wie ihrem Bruder Niclas, in die Wiege gelegt worden: Beide Eltern spielten Handball. Mutter Caroline war Kreisläuferin beim LC Brühl und Schweizer Nationalspielerin, Vater Alexander sogar Bundesliga-Spieler mit 14 Einsätzen für Deutschland. Die Mentalität der Deutschen, die zuweilen etwas geradliniger und direkter sind, zeigt sich auch im Spiel der beiden Kinder.

Talent für Linksaussen ist eine Familiensache

Bemerkenswert: Vater, Sohn und Tochter spiel(t)en alle auf der gleichen Position, am linken Flügel. Schnelligkeit, Sprungkraft und Abschlussstärke scheinen also in ihren Genen abgespeichert zu sein. Feuer und Flamme für Handball war Lauryn zunächst aber nicht. Zwar rannte sie beim HSC Kreuzlingen bereits bei den Kleinsten über den Platz. Klick machte es aber erst ein paar Jahre später, als sich die Familie in Schaffhausen ein Spiel der Kadetten gegen die Rhein-Neckar Löwen angeschaut hat: «Ich fand es mega cool. Ich sah, wie weit es gehen kann. Danach wurde Handball für mich gross.»

Als 10-Jährige wechselte sie zum LC Brühl, fand dort bald in den Elite-Nachwuchs und gewann drei Meistertitel (2-mal U14, 1-mal U16). In der letzten Saison debütierte sie im SPL-1-Team der St. Gallerinnen, mittlerweile hat sie einen Zweijahresvertrag unterschrieben. «Darüber freue ich mich sehr. Mir bietet sich eine super Möglichkeit, um mich weiterzuentwickeln», erzählt Mierzwa, die unter der Woche in der Frauen-Akademie in Cham trainiert und lebt. Um den Kopf freizubekommen, schwingt sie sich gerne auf ein Pferd und reitet, oder sie widmet sich wie Nantes-Star Noam Leopold dem Malen. «Allerdings keine Comics», ergänzt sie schmunzelnd, «sondern abstrakte Bilder.»

Bereits melden sich ausländische Agenten bei ihr

Inspiriert wird sie durch die Norwegerin Camilla Herrem: «Ihr Spielstil ist unfassbar cool. Sie ist mega treffsicher, beherrscht Trickwürfe, ist unglaublich schnell und auch stark in der Abwehr. Zudem bewundere ich ihre Mentalität», sagt Mierzwa über Herrem, die nach einer Brustkrebserkrankung für Sola HK auf den Platz zurückgekehrt ist. Freilich träumt auch Lauryn Mierzwa vom Ausland, Skandinavien oder Deutschland bezeichnet sie als Traumdestinationen. Tatsächlich hat sich nach der U18-WM bereits der eine oder andere Agent bei ihr gemeldet.

Bis zum Abschluss des OYM in zwei Jahren bleibt sie aber sicher noch in der Schweiz. Ihr drei Jahre älterer Bruder hat den nächsten Schritt derweil bereits in diesem Sommer vollzogen, neuerdings läuft der 19-jährige Ausnahmekönner für die Rhein-Neckar Löwen auf. «Er ist für mich ein mega Vorbild, in spielerischer Hinsicht habe ich mir von ihm sehr viel abgeschaut», erzählt Lauryn und mit einem Lächeln fügt sie an: «Auch er verschiesst mal. Das hat mir geholfen. Wenn ich eine Chance vergebe, ist es okay, das passiert allen. Dann mache ich einfach weiter.»

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