GC Amicitia Zürich schreibt Geschichte und ist Schweizermeister

Top-Ligen  •  30.05.2026

232 Gc Meister

GC Amicitia Zürich krönt eine aussergewöhnliche Saison mit dem Schweizermeistertitel. Die Zürcherinnen gewinnen die Belle der Playoff-Finalserie gegen den LC Brühl Handball und sichern sich damit den ersten Meistertitel seit der Fusion von Amicitia und GC im Jahr 2010 und den ersten Stadtzürcher Meistertitel im Frauenhandball seit 2004. Nach dem Cupsieg Ende Februar gelingt GC Amicitia damit das Double.

Was bleibt von dieser Finalserie? Nicht nur ein Titel. Sondern eine Geschichte, wie sie der Sport selten schöner schreibt. GC Amicitia Zürich und der LC Brühl Handball haben dem Schweizer Frauenhandball in den vergangenen Wochen wieder alles gegeben: Dramatik, Härte, Emotionen, taktische Duelle, Torhüterinnen-Geschichten, Wendungen und volle Hallen. Schon der Cupfinal Ende Februar war ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Damals setzte sich GC Amicitia in Winterthur hauchdünn mit 26:25 durch. Es war der erste Cupsieg der Zürcherinnen seit 21 Jahren.

In fünf Akten
Im Playoff-Final wurde aus diesem Duell ein Fünfakter. Spiel eins ging mit 27:26 an GC Amicitia. Spiel zwei gewann Brühl nach Verlängerung ebenfalls mit 27:26. In Spiel drei setzten die Zürcherinnen mit einem klaren 32:24 ein Zeichen und erspielten sich den ersten Matchball. Doch Brühl antwortete in der Kreuzbleiche, gewann Spiel vier 24:22 und zwang wie schon vor zwei Jahren die Belle. Wieder GCA gegen den LCB. Wieder alles oder nichts. Wieder ein Finalspiel, das mehr war als nur ein Spiel.

Die Entscheidung in der Saalsporthalle begann so, wie man es von einer Belle erwarten durfte: nervös, intensiv, schwer. Das erste Tor liess lange auf sich warten. Erst nach 2:47 Minuten brachte Mia Kernatsch den LC Brühl Handball mit 1:0 in Führung. GC Amicitia wirkte in der Startphase fahrig, beinahe erschöpft, suchte aber von Beginn weg mit der siebten Feldspielerin die offensive Lösung. Brühl nutzte die Zürcher Unsicherheiten zunächst zur frühen 4:2-Führung. Doch dann kam jener Moment, in dem GC Amicitia das Spiel an sich riss. Nach zwei Zeitstrafen gegen Brühl, Mirjam Ackermann und Malin Altherr mussten nach harten Aktionen gegen Hannah Bopp nacheinander auf die Bank, glichen die Zürcherinnen aus und gingen mit 5:4 in Führung. Es war kein spektakulärer Start, aber ein bedeutsamer. GC Amicitia fand über die Defensive, über Geduld und über eine immer lautere Saalsporthalle in dieses Entscheidungsspiel. Beide Abwehrreihen arbeiteten hart. Beide Torhüterinnen gaben ihren Teams Sicherheit. Um die 20. Minute herum wurde die Partie erneut fahrig, fast schwerfällig. Man spürte in jeder Aktion, was auf dem Spiel stand. Jeder technische Fehler wog schwer, jeder Abschluss schien ein kleines Finale im Finale zu sein. GC Amicitia setzte sich zwischenzeitlich auf 12:9 ab, Brühl kam nochmals auf 12:11 heran. Dann war es Mailee Winterberg, die nach mehreren vergebenen Würfen in einer Freiwurfsituation bei passivem Spiel doch noch den Pausentreffer zum 13:11 erzielte.

Aufbäumen der LCB-Torfrauen
Nach der Pause versuchte Brühl nochmals alles. Norah Kothen entschärfte einen Siebenmeter von Leonie Aellen samt Nachwurf und hielt die St. Gallerinnen im Spiel. Auch danach blieb Kothen ein Faktor. Brühl suchte mit Mut die Lücken, versuchte zu zaubern, stellte später selbst auf die siebte Feldspielerin um. Doch die entscheidenden freien Würfe fanden den Weg nicht ins Tor. GC Amicitia blieb in diesen schwierigen Minuten bemerkenswert ruhig. Auch als die Zürcherinnen während fast sechs Minuten selbst kein Tor erzielten, brachen sie nicht auseinander. Die Defensive hielt. Seraina Kuratli war zur Stelle. Die Halle trug. Und vorne übernahmen die Spielerinnen Verantwortung, die diese Saison geprägt haben. Leonie Aellen stellte nach 47 Minuten auf 18:14, später verwertete sie den Siebenmeter zum 20:16. Es waren Momente, in denen sichtbar wurde, was GC Amicitia in dieser Finalserie auszeichnete: Gelassenheit, Härte, Wille und der Glaube, dass dieser Titel nun tatsächlich nach Zürich gehören sollte. Auch wenn der LC Brühl nochmals herankam, den Titel liess sich GCA mit dem 25:22 nicht mehr nehmen.

Mehr als nur ein Meistertitel
Für GC Amicitia ist dieser Meistertitel historisch. Seit der Fusion von Amicitia und GC im Jahr 2010 hatte der Verein auf diesen Moment hingearbeitet. Der letzte Stadtzürcher Meistertitel im Frauenhandball lag 22 Jahre zurück. 2004 wurde er ausgerechnet in der St. Galler Kreuzbleiche gefeiert. Nun schliesst sich der Kreis anders: nicht in St. Gallen, sondern in Zürich, in der Saalsporthalle, vor einer lautstarken Kulisse, die diesen Finalabend zu einem Heimspiel im besten Sinn machte. Für GC Amicitia ist es mehr als eine Trophäe. Es ist die Bestätigung eines Weges, der sich über die letzten Jahre aufgebaut hat. Cupsieg, Playoff-Final, Belle, Meistertitel.

Und genau das bleibt über diesen Final hinaus. Der Schweizer Frauenhandball hat in dieser Serie gezeigt, welche Kraft in ihm steckt. Volle Hallen, grosse Emotionen, starke Persönlichkeiten, taktische Vielfalt und eine Rivalität, die Geschichten für Jahre liefert. GC Amicitia Zürich ist neuer Schweizermeister. Und der Schweizer Frauenhandball hat eine Finalserie erlebt, die bleiben wird.

Quelle: SHV / Beni Rachad (Text); Benjamin Faes (Bild)

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