Im Spotlight • 15.09.2026
In der Porträtserie «Für den Handball. Ein Leben lang» würdigt und dankt der Schweizerische Handball-Verband vier langjährigen Schiedsrichter-Funktionären. Ernst Mosers Karriere war geprägt von zahlreichen regionalen und interregionalen Einsätzen, von Verlässlichkeit und unglaublichem Engagement für den Handballsport. Nun, nach fast sieben Jahrzehnten im Dienst des Handballs, verabschiedet sich Ernst Moser.
Das Spiel in Zofingen steht kurz vor dem Anpfiff, doch der Schiedsrichter fehlt. Ernst Moser ist eigentlich selbst Spieler – wegen eines verstauchten Fingers kann er an diesem Tag aber nicht auflaufen. Kurzerhand springt er ein und übernimmt die Pfeife.
Das war 1965. Aus dem spontanen Einsatz wird der Beginn einer Laufbahn, die auch fast sechs Jahrzehnte später immer noch nicht ganz vorbei ist.
Ernst Moser bleibt dem Handball als Schiedsrichter, Beobachter, Einsatzplaner, Delegierter, Funktionär und Verbandspräsident treu. Über Generationen hinweg ist er dort anzutreffen, wo der Handball organisiert, geleitet und vorangetrieben wird.
Geboren wird Ernst Moser 1945 in Heilbronn, Deutschland. Schon dort packt ihn der Handballsport, doch anders als heute wird damals noch Grossfeld auf Rasen gespielt. Als Moser mit 20 Jahren in die Schweiz kommt, geht es für ihn schnell weiter.
Ab 1965 steht er als Schiedsrichter im Einsatz, zunächst regional, später auf interregionaler Ebene. Von 1985 bis 1996 pfeift er für den Schweizerischen Handball-Verband bis in die NLB. Und auch neben dem Spielfeld wächst sein Engagement.
Von 1981 bis 2016 ist er in der Schiedsrichter-Einsatzplanung des Zürcher Handballverbands tätig, davon mehr als zwei Jahre als Leiter der Einsatzstelle. Woche für Woche sorgt er dafür, dass die zahlreichen Spiele besetzt sind und der Betrieb läuft.
Von 1991 bis 2016 engagiert er sich zudem im Spielbetrieb des ZHV. Auch seiner Tätigkeit als Schiedsrichter-Beobachter geht er jahrzehntelang mit grosser Begeisterung nach.
Es sind Funktionen, die selten im Rampenlicht stehen. Aber ohne sie würde der Spielbetrieb nicht funktionieren.
Was einen guten Schiedsrichter ausmacht, weiss Ernst Moser nach all den Jahren ziemlich genau.
«Das Fingerspitzengefühl», sagt er 2019 in einem Interview mit der Zürichsee-Zeitung. Regeln müssten durchgesetzt werden. Gleichzeitig müsse ein Schiedsrichter aber auch auf die Spieler eingehen können.
Vielleicht beschreibt dieser Satz ganz gut, was Moser selbst über Jahrzehnte ausgezeichnet hat: Klarheit, Menschenkenntnis und das nötige Fingerspitzengefühl für die richtigen Entscheidungen.
No fire without a spark: Jede grosse Schiedsrichterkarriere beginnt mit einem ersten Schritt. Mit einem ersten Spiel, einer ersten Halle, einem ersten Pfiff. Was daraus entstehen kann, zeigen die Geschichten unserer langjährigen Schiedsrichter-Funktionäre.
Vielleicht ist dein erster Pfiff der Anfang deiner eigenen Geschichte.
Erlebe den Handball aus einer neuen Perspektive und werde Teil des Feuers, das unseren Sport antreibt.
Dem Handballsport verbunden bleibt Moser auch nachdem seine aktive Schiedsrichterkarriere längst vorbei ist. Er ist beim ZHV und SHV als Delegierter tätig, beobachtet Schiedsrichter und engagiert sich weiterhin im Spielbetrieb.
Von 2006 bis 2018 ist er als SHV-Delegierter im Einsatz. Seine Verbandsarbeit reicht noch weiter: Von 2016 bis 2022 steht er dem Zürcher Handballverband als Präsident vor, danach bleibt er dem Vorstand als Mitglied und Berater verbunden.
Selbst in der vergangenen Saison 2025/26 stand der mittlerweile 80-Jährige als Beobachter an der Seitenlinie. Während andere längst aufgehört haben, schaut Moser noch immer genau hin.
Das liege ihm, erzählt er im Interview mit der Zürichsee-Zeitung: «Ich habe eine sehr gute Beobachtungsgabe.» Er sehe sofort, wenn sich etwas verändert habe.
Nach 66 Jahren im Dienst des Handballs darf Moser nicht nur auf unzählige Einsätze und Funktionen zurückblicken. Es sind tausende Stunden in Sporthallen, auf Tribünen und an Sitzungen. Tausende Begegnungen mit Spielerinnen und Spielern, Schiedsrichtern, Vereinen und Funktionären.
2010 wird er zum Ehrenmitglied des Zürcher Handballverbands ernannt, 2022 folgt die Ehrenmitgliedschaft im Schweizerischen Handball-Verband. Bereits 2015 zeichnet ihn die Stadt Wädenswil als «Funktionär des Jahres» aus.
Nun legt Moser die Pfeife endgültig aus der Hand. Was bleibt, ist ein Lebenswerk. Ernst Moser hat den Schweizer Handball nicht nur mit grossen Engagement mitgeprägt, sondern auch dafür gesorgt, dass er überhaupt stattfinden konnte.
Der Schweizerische Handball-Verband dankt dir, lieber Ernst, von Herzen für 66 Jahre Einsatz, Verlässlichkeit und Leidenschaft.
Der SHV ist der nationale Fachverband und das Kompetenzzentrum für den Handballsport in der Schweiz.
Der SHV ist Mitglied von Swiss Olympic sowie des Weltverbands IHF und der Europäischen Handball Föderation EHF.
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