Nationalteams Nachwuchs • 10.08.2026

Die Schweiz beendet die U18-Europameisterschaft auf dem unbefriedigenden 17. Rang. Nationaltrainer Predrag Milicic zieht Bilanz – und vermisst bei seinem Team den letzten Biss.
Das Finish war gut – die letzten vier Spiele hat die Schweizer U19-Nationalmannschaft an der U18-EM gewonnen: Zunächst in der Zwischenrunde gegen Tschechien (32:28), anschliessend in den Klassierungsspielen um die Plätze 17 bis 24 gegen die Türkei (39:32), die Slowakei (49:37) und Norwegen (40:34). «Das Team war im Loch, hat aber Charakter gezeigt», freut sich Trainer Predrag Milicic. So resultierte nach dem Scheitern in der Vor- und Zwischenrunde wenigstens der 17. Schlussrang. Persönlich ins Rampenlicht spielte sich Regisseur Janis Thomann, der mit 66 Treffern auf dem dritten Platz des Torschützenrankings landete. Auch Ben Zimmermann gefiel, vor allem als er wegen Personalnot vom linken Flügel in den Rückraum wechselte.
An der Enttäuschung ändert das Aufbäumen allerdings nichts, die Schweiz hat die Erwartungen am Kontinentalturnier in Serbien nicht erfüllen können. Ziel waren die Viertelfinals, zumindest aber eine Klassierung in den Top 15, um sich für die U19-WM im Jahr 2027 zu qualifizieren. Was lief schief? «Ich habe fast drei Doppelseiten vollgeschrieben», sagt Milicic im Rahmen seiner ersten Analyse und er hält fest: «Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir mehr könnten, dass mehr möglich gewesen wäre.» Vor allem der 30:33-Niederlage in der Vorrunde gegen Ungarn trauert er nach.
In diesem Spiel führte die Schweiz in der 46. Minute mit 25:24, geriet in der Schlussphase allerdings aus dem Konzept. «Wir hatten gewisse Dinge klar definiert. Beispielsweise wollten wir Tore zwischen der Abwehrposition eins und zwei verhindern, ebenso wie die Durchstösse des Linkshänders im Rückraum durch die Mitte. Doch dann kassieren wir genau so die Tore. Wir haben das Spiel selber aus der Hand gegeben», erklärt Milicic und er fügt an: «Eine EM bringt dich voll ans Limit. Mental stossen die Spieler in neue Dimensionen vor. Das ist für die Entwicklung sehr wichtig.»
Mit einem Remis gegen Ungarn wäre die Schweiz in die Hauptrunde der Top 12 eingezogen. Doch danach folgten weitere Rückschläge. Der zu knappe Sieg gegen ein inferiores Montenegro (36:28). Und der Schock gegen Israel (38:44), als die Abwehr nicht auf Touren kam. Milicic erkennt dabei einen roten Faden, wenn er anmerkt: «Der Plan funktioniert, doch auf einmal werden wir immer wieder passiv, ziehen uns zurück, machen ein, zwei Schritte weniger und reduzieren die Kommunikation. Anstatt weiter als Team aufzutreten, suchen wir nach individuellen Lösungen. Hinten fehlt uns dann die eine oder andere Parade, während sich vorne technische Fehler und Fehlwürfe häufen.»
Zusammenfassend findet Milicic: «Wir waren gut vorbereitet, liessen aber den Tunnelblick, den letzten Biss und das Bewusstsein, dass jedes Tor wichtig ist, vermissen. Auf diesem Niveau müssten die Spieler noch mehr investieren.» In der Zwischenrunde fehlten nur zwei Tore, um sich als bester Gruppenzweiter für die Klassierungsspiele 9 bis 16 zu qualifizieren. Hinzu kamen Personalprobleme. Der rechte Aufbauer Quentin Fuchs fiel früh mit einer Bänderverletzung im Fuss aus. Abwehrspezialist Finn Anderes war zwei Spiele gesperrt. Schliesslich erkrankten mehrere Spieler an einem Magen-/Darmvirus. «Alle waren am Erbrechen. Vielleicht spielte auch der Druck eine Rolle.»
Für Milicic ist beim SHV nun Schluss, ebenso wie bei B-Ligist Baden-Endingen, wo sein Vertrag aufgelöst worden ist. «Mein Fokus liegt vorderhand auf den Morgentrainings an der United School of Sports in Zürich, gemeinsam mit Kerstin Kündig und Viran Morros. Als Mannschaftstrainer atme ich durch, lade meine Batterien und warte, bis sich die nächste Türe öffnet.» Im U19-Nationalteam rückt Assistent Lukas von Deschwanden in die Chefrolle – und hofft, dass die Schweiz mit einer Wild Card vielleicht doch noch an der U19-WM im nächsten Jahr dabei sein kann.
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