Nationalteam Männer • 08.11.2026
11'600 Menschen, ein neuer Zuschauerrekord und eine Atmosphäre, die unter die Haut geht. Gegen Olympiasieger, Welt- und Europameister Dänemark zeigt das Schweizer Nationalteam Mut, Kampfgeist und Zusammenhalt. Und obwohl der ganz grosse Coup ausbleibt, lohnt sich der Blick zurück. Danke, Schweiz!
Es ist ein besonderer Sonntag für den Schweizer Handball. 11'600 Zuschauende füllen die Swiss Life Arena in Zürich. Das Zuhause der ZSC Lions wird zur grössten Bühne, die dem Schweizer Männer-Nationalteam je geboten wurde. Der bisherige Zuschauerrekord von 2016 ist Geschichte.
Die Ränge sind gefüllt, die Schweizer Fahnen wehen. Rot dominiert das Bild. Was sonst den Eishockeyfans gehört, verwandelt sich in einen Hexenkessel für den Handball. Zehn Jahre nach dem letzten Rekord führt Andy Schmid das Schweizer Nationalteam erneut in ein historisches Spiel. Damals stand er selbst auf dem Feld, heute steht er an der Seitenlinie. Und der Gegner könnte kaum grösser sein: Dänemark, Olympiasieger, Welt- und Europameister. Eine Mannschaft voller Weltklassespieler, die weiss, wie man solche Abende für sich entscheidet.
Der Auftakt in den Euro Cup liegt erst wenige Tage zurück. In Porto unterliegt die Schweiz dem WM-Vierten Portugal mit 28:33. Das Resultat fällt deutlicher aus, als es die Leistung über weite Strecken vermuten lässt. Doch zu viele freie Abschlüsse bleiben ungenutzt. Ballverluste ermöglichen Portugal zudem einfache Gegenstosstore.
«Wir haben gute Chancen bekommen und sie liegen gelassen», bilanziert Schmid nach der Partie. Gleichzeitig betont er eine Stärke, die auch gegen Dänemark entscheidend sein soll: «Unsere Gemeinschaft ist unser Erfolgsgeheimnis.»
Unter tosendem Applaus betreten die Schweizer das Parkett. Doch zunächst gibt Dänemark den Ton an. Die Schweizer finden kaum Lücken in der kompakten Defensive, während die Gäste ihre Chancen konsequent nutzen.
Einer hält das Heimteam im Spiel: Nikola Portner. Mit starken Paraden gegen Welthandballer Mathias Gidsel und einem gehaltenen Siebenmeter reisst er die Halle mit. Nach sechs Minuten reagiert Andy Schmid mit einem Timeout. Kurz darauf treffen Maros und Zehnder. Die Schweiz findet zunehmend ins Spiel und hält defensiv entschlossen dagegen.
Angeführt von Gidsel und Pytlick bleibt Dänemark gefährlich. Doch die Schweizer kämpfen sich zurück. Aellen trifft, Sigrist nutzt einen Ballgewinn zum Gegenstoss: 7:7! Die Swiss Life Arena bebt. Portner hält wenig später einen weiteren Siebenmeter.
Schmid lobt nach der Partie insbesondere die Defensive: «Unsere Deckung fand ich sehr stabil. Die ersten zwei, drei Aktionen konnten wir eigentlich immer verteidigen. Wir haben viele Dinge heute gut gemacht.»
Dänemark erhöht nach der Pause den Druck und nutzt Schweizer Ballverluste konsequent aus. Besonders Pytlick findet immer wieder Lücken in der Abwehr. Doch die Schweiz hält dagegen: Aellen, Willecke und Sigrist treffen, Zehnder verwertet mehrere Siebenmeter. Auch Portner glänzt weiterhin mit starken Paraden.
Schmid sieht eine klare Steigerung gegenüber Porto: «Es war ein ganz anderes Spiel. Wir haben uns richtig in die Partie gekämpft und hatten zwischenzeitlich sogar den Ball für die Führung.» In Unterzahl habe sein Team allerdings zu naiv agiert.
Bis zur letzten Minute kämpft die Schweiz, doch Dänemarks individuelle Klasse setzt sich durch. Die Gäste gewinnen mit 33:24. Dennoch zeigt das Schweizer Nationalteam eindrücklich, dass es auch gegen die Weltspitze bestehen kann.
Der Blick auf die Anzeigetafel zeigt eine Niederlage. Doch beim Verlassen der Halle lohnt sich ein Blick zurück auf die leeren Ränge: 11'600 Menschen haben heute den Schweizer Handball gefeiert. Ein neuer Zuschauerrekord und eine elektrisierende Atmosphäre.
Für Andy Schmid ist dieser Zuschauerrekord auch ein Ansporn für die Zukunft. Er wünscht sich, dass die Begeisterung für den Schweizer Handball weiter wächst und sich solche Zuschauerzahlen bei Spielen des Nationalteams langfristig etablieren.
Auch mit Blick auf die Europameisterschaft im Januar 2028 bleibt der Nationaltrainer ambitioniert, aber realistisch. Gegen Spanien, Portugal und Dänemark warten im März und Mai 2027 erneut grosse Herausforderungen. «Das Ziel ist jetzt vor allem, weiter an unserem Team zu arbeiten. Wir haben mittlerweile viele Möglichkeiten, besonders im Rückraum. Ich werde schauen, welche Akteure und Spielertypen am besten zusammenpassen.»
Dabei geht es Schmid nicht nur um die sportliche Entwicklung. «Ziel ist es, diesen Zusammenhalt weiterzuentwickeln. Nicht nur auf dem Spielfeld, sondern vor allem auch daneben: beim Abendessen, beim Frühstück und im Training. Wenn es schwierig wird, zeigt sich, wie man miteinander umgeht. Und das funktioniert einwandfrei.»
Die Schweiz hat gezeigt, dass sie auch gegen die Besten mutig auftreten kann. Der ganz grosse Coup bleibt aus. Doch die Rekordkulisse in Zürich mach deutlich, welches Potenzial im Schweizer Handball steckt.
Und wir sind noch lange nicht fertig.
Der SHV ist der nationale Fachverband und das Kompetenzzentrum für den Handballsport in der Schweiz.
Der SHV ist Mitglied von Swiss Olympic sowie des Weltverbands IHF und der Europäischen Handball Föderation EHF.
Schweizerischer Handball-Verband
,
Tannwaldstr. 2, 4600
Olten
Tel +41 31 370 70 00
-
shv-fsh@handball.ch