Diese Funken bringen sie in den Lehrgang

Nationalteams  •  19.10.2026

Sie treffen in der Champions League, übernehmen Verantwortung in ihren Vereinen und finden nach Pausen zurück zu ihrem Spiel. Mit unterschiedlichen Erfahrungen rücken die Schweizer Nationalspielerinnen zum Oktober-Lehrgang ein. Vor den beiden Tests gegen Tschechien geht es darum, daraus gemeinsam den nächsten Schritt zu machen.

Sieben Tore gegen Brest, neun gegen Dortmund, elf Paraden in Thun: Die Schweizer Nationalspielerinnen haben vor dem Zusammenzug auf unterschiedliche Weise auf sich aufmerksam gemacht. Für Nationaltrainer Knut Ove Joa sind das gute Voraussetzungen. Nun gilt es, die Leistungen aus den Vereinen ins gemeinsame Spiel zu übertragen.

Auf Europas Bühne
Besonders sichtbar wird die Schweizer Beteiligung derzeit in der Champions League. Mia Emmenegger steuert am 17. Oktober sieben Treffer zum 35:26 von Esbjerg gegen Brest bei. Nuria Bucher trifft am selben Tag ebenfalls siebenmal, verliert mit Blomberg-Lippe in Metz aber 22:32. Während Emmenegger einen deutlichen Sieg gegen ein europäisches Spitzenteam feiert, sammelt Bucher mit dem Champions-League-Neuling auch Erfahrungen im Umgang mit Niederlagen. National ist die Ausgangslage eine andere: Blomberg führt die Bundesliga an. Emmenegger beschreibt ihre Entwicklung im Gespräch als zunehmende Abgeklärtheit. Nach einem Fehlwurf wieder die Torhüterin lesen und die nächste Chance nutzen: Genau darin sieht sie einen Fortschritt. Diese Sicherheit soll auch der Nati helfen.

Ein starkes Bundesliga-Signal sendet Laurentia Wolff. Beim 33:29 von Oldenburg gegen Spitzenreiter Dortmund erzielt sie neun Tore, fünf davon vom Siebenmeterpunkt. Auch international kommt ihr Verein weiter: Gegen Teamkolleginnen von GC Amicitia Zürich setzt sich Oldenburg in der European-League-Qualifikation nach einem 31:22 und einem 23:23 durch.

Daphne Gautschi trägt bei Toulon viel offensive Verantwortung. Nach sechs Ligapartien steht sie bei 31 Toren. Gegen Brest trifft sie zuletzt achtmal bei zwölf Versuchen, obwohl ihr Team 26:38 verliert. Persönliche Torgefahr und Teamerfolg gehen nicht überall Hand in Hand: Toulon wartet in der Liga weiterhin auf den ersten Sieg. Auch aus Dänemark kommt ein positives Signal von Era Baumann. Beim 30:30 von Viborg gegen Nykøbing erzielt sie sechs Tore und trägt damit zum Punktgewinn ihres Teams bei.

Aus der SPL1 ins Nationalteam
Rückenwind gibt es ebenso aus der SPL. Seraina Kuratli hält beim 30:26 von GC Amicitia in Thun elf Bälle und erreicht eine Fangquote von 38 Prozent. Zusammen mit Joline Erni und Lea Schärer wechselt sie vom Zürcher Kluballtag ins Nationalteam. Nach den beiden Europacup-Spielen gegen Oldenburg hat GCA damit auch in der Meisterschaft wieder gepunktet. Bei Brühl liefert Malin Altherr nach ihrer Rückkehr zur Fitness einen deutlichen Beleg ihrer Torgefahr: sechs Treffer im Europacup-Hinspiel gegen Rocasa Gran Canaria, acht im Rückspiel. Clairebel Coker steuert zum 31:25 im zweiten Duell vier Tore bei. Nach der 25:33-Niederlage am Vortag reicht das zwar nicht zum Weiterkommen. Die beiden Auftritte zeigen aber, welchen Beitrag die Brühler Rückraumspielerinnen auch gegen ausländische Gegnerinnen leisten können.

Rückenwind für eine intensive Woche
In der zweiten deutschen Bundesliga machen zwei Rückkehrerinnen auf sich aufmerksam. Sev Albrecht erzielt für Freiburg 14 Tore gegen Leverkusen und acht gegen Mainz. Celia Heinzer kommt in Waiblingen auf 26 Treffer aus den ersten vier Ligaspielen; fünf in Rostock und zwei gegen den Bergischen HC folgen. Das Vertrauen ihres neuen Teams hilft ihr nach der langen Rehabilitation, wieder frei aufzuspielen. Zur Nati bringt sie neben Ehrgeiz auch Ruhe und Zuversicht mit. «Ich bin sehr stolz, dass ich mir das selber wieder zutraue», sagt Heinzer über ihre Rückkehr.

Zur Form eines Teams gehören auch Leistungen, die in keiner Torschützenliste auffallen. Charlotte Kähr bleibt beim jüngsten 33:33 von Metzingen gegen Neckarsulm ohne Treffer, ist aber für ihre Abwehrarbeit während der Aufholjagd hervorzuheben. Alessia Riner hat zuvor mit drei Toren zum ersten Neckarsulmer Ligasieg gegen Göppingen beigetragen. Auch solche Beiträge sind für die Nati wertvoll.

Zum letzten Test in der Schweiz
Die jüngsten Auftritte ergeben damit ein ermutigendes Bild: Torgefahr auf mehreren Positionen, internationale Spielpraxis und Spielerinnen, die wieder Verantwortung übernehmen können. Wie gut diese unterschiedlichen Erfahrungen zusammenspielen, wird sich nun im Nationalteam zeigen. Diese Woche geht es darum, die gute Form aus den Vereinen ins gemeinsame Spiel zu übertragen. In den beiden Testspielen gegen Tschechien am 23. und 25. Oktober trifft die Nati auf ein Team, dessen Spielweise jener ihrer Vorrundengegner an der EURO ähnelt. Die Partien sollen zeigen, welche Abläufe bereits sitzen und wo noch mehr Abstimmung nötig ist. Im November folgt mit den Testspielen gegen Serbien in der Schweiz der letzte Schliff vor der EURO – am 28. November auch mit dem Rückhalt der Fans auf den Rängen.

Quelle: SHV / Beni Rachad (Text); Elena Hatebur (Bild)

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