Nationalteams Nachwuchs • 05.08.2026

Die Schweizer U19-Nationalmannschaft scheitert in der EM-Zwischenrunde auf dramatische Art und Weise. Damit verpasst sie wohl die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr.
Es sind eineinhalb Minuten des Frusts, 90 Sekunden zum Vergessen. Die Schweizer U19-Junioren führen gegen Tschechien mit 31:25 und damit genau mit jenen sechs Toren Differenz, die sie für den Einzug in die Klassierungsspiele um Rang 9 bis 16 brauchen. Doch dann läuft alles gegen sie. Im Zentrum stehen die serbischen Schiedsrichterinnen und der britische Delegierte. Zunächst kassiert Nevio Rychener eine nicht zwingende Zweiminutenstrafe. Kurz darauf wird Nico Petrig beim Durchbruch klar gefoult, doch die Pfeife des Referees bleibt stumm.
Daraufhin erheben sich die Schweizer auf der Bank und äussern ihren Unmut im Kollektiv. Der Delegierte lässt eine weitere Zweiminutenstrafe aussprechen, stellvertretend kassiert sie Assistenztrainer Lukas von Deschwanden. Letztlich gewinnt die Schweiz zwar die Partie, allerdings nur mit vier Toren (32:28). Das sind zwei Treffer zu wenig, um im Vergleich mit den anderen Gruppen der Zwischenrunde als bester Zweitklassierter weiterzukommen. «Für uns ging es um sehr viel. Wir wollen, dass die Bank emotional ist. Leider liessen die Unparteiischen das Fingerspitzengefühl vermissen, weil sie nicht wussten, dass wir mit sechs Toren gewinnen müssen. So zu scheitern, ist ganz bitter», sagt von Deschwanden.
Die unglückliche Spielleitung ist Fakt, als Ausrede für den Fehlschlag lässt sie von Deschwanden aber nicht gelten. Noch mehr schmerzt ihn rückblickend das Vorrundenspiel gegen Montenegro (36:28), welches man weitaus höher hätte gewinnen können. Oder die erste Begegnung in der Zwischenrunde, als die Schweizer gegen Israel (38:44) unter die Räder kamen. Gegen Israel war die Chancenauswertung phasenweise miserabel, trotzdem müssten 38 Treffer zum Sieg reichen. Doch auch die Abwehr hatte für einmal keinen Zugriff. Die Abstimmung war ungenügend, Stoppfouls gelangen zu wenige, Köpfe und Beine wirkten nicht frisch.
Damit bleibt das Schweizer U19-Nationalteam unter den Erwartungen. Eigentlich liebäugelte es mit dem Einzug in die Viertelfinals, doch nach dem Verpassen der Hauptrunde (Top 12) war dieses Unterfangen nicht mehr möglich. Nun entgeht ihnen auch die Chance, im Optimalfall mit Platz neun nach Hause zu fahren, ab Donnerstag performen sie in den Klassierungsspielen um die Plätze 17 bis 24. Das bedeutet auch: Die Schweiz verpasst wohl die U19-WM im nächsten Jahr – hierzu wäre Platz 15 nötig gewesen. Die letzte Hoffnung ist eine Wild Card, wie sie im Jahr 2025 unsere U21-Nationalmannschaft erhalten hatte.
Die Schweiz zeigte bisher die ganze Bandbreite ihres Könnens, vom spielerisch ausgewogenen Angriff, über das schnelle Umschaltspiel bis hin zu einer stabilen Deckung und starken Torhütern. Aber: Der zweitältesten Junioren-Auswahl des SHV mangelt es an Konstanz. «Wir machen sehr viele gute Sachen, dann werfen wir wieder den Ball weg. Wir schaffen es nicht, über längere Strecken gute Aktionen aneinander zu reihen. Wenn wir das Spiel im Griff haben, passiert uns ein blöder Fehler. Auf diese Weise hemmen wir uns selber», vermerkt von Deschwanden.
Hinzu kommt, dass der Kader in der Breite eher dünn bestückt ist. Ausfälle wie jener des Aufbauers Quentin Fuchs (Bänderverletzung im Fuss) oder des Abwehrspezialisten Finn Anderes (gegen Island und Israel gesperrt) können nicht zufriedenstellend weggesteckt werden. «An diesem Turnier sind alle Teams recht nahe beieinander. Die Top 12 sind möglich, man kann aber auch schnell nach hinten gespült werden.» Nun wollen die Schweizer die U18-EM mit positiven Eindrücken abschliessen. Drei weitere Spiele stehen auf dem Programm, beginnend mit jenem am Donnerstag gegen die Türkei (12 Uhr). Neues Ziel: Platz 17, um die Hoffnung auf eine WM-Wild-Card aufrecht zu erhalten.
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