No fire without a spark!
Ein grosses Feuer beginnt mit einem kleinen Funken. Auch grosse Ziele tun das. Mit einem Gedanken. Einer Idee. Einer Vision, die plötzlich etwas auslöst.
Bei unserem Frauen-Nationalteam ist dieser Funke entfacht und soll bis 2032 zum Feuer werden: Olympia-Teilnahme in Brisbane. Ein Ziel, das heute noch weit entfernt scheint.
Doch warum sind ambitionierte Ziele wichtig, nicht nur in der Sportwelt, sondern auch in der Wirtschaft?
Grosse Ziele haben eine Wirkung, die weit über das eigentliche Ergebnis hinausgeht:
Sie geben Orientierung: Wohin wollen wir gemeinsam?
Sie schaffen Energie: Warum lohnt es sich, heute mehr zu investieren?
Sie fördern Identifikation: Wofür stehen wir als Team?
Und sie verändern die Frage von «Was müssen wir heute erledigen?» zu «Was müssen wir heute tun, damit wir diesem Ziel näherkommen?»
Denn ein grosses Feuer entsteht nicht sofort. Es wächst aus unzähligen kleinen Funken, die immer wieder neu entfacht werden.
Damit ein Ziel seine volle Wirkung entfaltet, sind laut Zielsetzungstheorie (Goal-Setting Theory) von Edwin Locke und Gary Latham fünf Faktoren besonders wichtig:
Klarheit (Clarity): Ziele müssen präzise und messbar sein.
Herausforderung (Challenge): Das Ziel muss anspruchsvoll sein und über dem bisherigen Niveau liegen, aber im machbaren Bereich bleiben.
Zielbindung (Commitment): Die Personen müssen das Ziel akzeptieren und sich innerlich dazu verpflichten.
Feedback: Regelmässige Rückmeldungen über den aktuellen Fortschritt sind notwendig, um das Verhalten anzupassen.
Aufgabenkomplexität (Task Complexity): Bei sehr schweren oder neuen Aufgaben muss genügend Zeit und Spielraum zum Lernen eingeplant werden.
Dass die Zielsetzungstheorie auch in der Praxis funktioniert, zeigte das Experiment von Gary Latham und James Baldes aus dem Jahr 1975.
Ein grosses Holzunternehmen hatte erhebliche Effizienzprobleme beim Abtransport von Baumstämmen aus den Wäldern zum Sägewerk. Die gewerkschaftlich organisierten Lastwagenfahrer wurden nach Stunden bezahlt. Vom Management gab es lediglich die vage Anweisung, beim Beladen der Lastwagen «ihr Bestes zu geben». Ohne objektive Messwerte gingen die Fahrer jedoch davon aus, bereits an ihrer Leistungsgrenze zu arbeiten. Das Resultat: Die Lastwagen wurden im Durchschnitt nur zu etwa 60% der gesetzlich zulässigen Kapazität beladen. Das führte zu unzähligen vermeidbaren Fahrten und enormen Extrakosten.
Latham und Baldes setzten im Rahmen des Experiments den Fahrern ein spezifisches, herausforderndes Ziel für die kommenden 12 Monate: Die Lastwagen sollten zu 94% ihrer legalen Gewichtskapazität beladen werden. Unmittelbar nach der neuen Vorgabe stieg die durchschnittliche Auslastung der Lastwagen sprunghaft an. Nach wenigen Monaten pendelte sich die Auslastung stabil bei rund 90% ein und blieb dort. So sparte das Unternehmen in neun Monaten durch die höhere Effizienz 250.000 US-Dollar (nach heutigem Geldwert ein Millionenbetrag).
Was die Zielsetzungstheorie mit unserem Frauen-Nationalteam zu tun hat, erfährst du in Kürze in Teil 2.
Nach dem Exkurs in die Wissenschaft und der Zielsetzungstheorie zurück zu unserem Frauen-Nationalteam mit seinem grossen Ziel. Ein Ziel, das das Feuer so richtig entfachen soll. Damit das klappen kann, sind dabei bekanntlich fünf Faktoren besonders wichtig.
Mit dem Startschuss zur «Road to Brisbane» wurde der erste Funke gezündet. Das Ziel der erstmaligen Olympia-Teilnahme 2032 ist klar und messbar. Entweder das Team von Knut Ove Joa ist dann dabei. Oder eben nicht. Etwas dazwischen gibt es nicht. Klarheit ✅
Es ist ein anspruchsvolles Ziel. Eines, das das bisher Erreichte nochmals übertreffen würde. 2025 erfolgte ein Meilenstein in der Geschichte des Schweizer Frauenhandballs: Erstmals konnte sich das Nationalteam für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Nun soll in sechs Jahren die erstmalige Olympia-Teilnahme folgen. Herausforderung ✅
Sämtliche Akteur*innen sind bereit, dem grossen Ziel vieles unterzuordnen. Jeden Tag hart zu arbeiten dafür. Die richtigen Strukturen zu schaffen. Das gemeinsam formulierte Commitment ist ein Statement. Aus den einzelnen Funken soll eine gemeinsame Flamme werden. Spielerinnen, Staff und Verband wollen sie zusammen am Brennen halten. Zielbindung ✅
Um das grosse Ziel zu erreichen, ist Feedback von grosser Bedeutung. Und dieses erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen: Im Rahmen der Feedback-Kultur innerhalb des Teams, bei Leistungstests, im Training und natürlich auch in Form von Ernstkämpfen. Und da wartet mit der Europameisterschaft im Dezember eine wichtige Standortbestimmung, welche auf ungefilterte Weise aufzeigt, ob die Flamme in die richtige Richtung wächst, oder ob es Anpassungen braucht. Feedback ✅
2032 ist noch sehr weit weg? Ja. Und das ist auch richtig so. Es ist ein langer Weg nach Brisbane. Denn grosse Ziele brauchen Zeit – insbesondere dann, wenn der Weg dorthin komplex ist und sich ein Team Schritt für Schritt weiterentwickeln muss. Sechs Jahre, um aus vielen kleinen Funken ein grosses Feuer zu entfachen. Aufgabenkomplexität ✅
Ein wichtiger Teil auf dem Weg zu den Olympischen Spielen ist natürlich auch der Nationaltrainer selbst. Und sowieso: Was wäre ein Coach’s Corner Beitrag ohne die Stimme des Coachs. So hören wir also dem «Knistern» zu, das entsteht, wenn Knut Ove Joa über das grosse Ziel spricht:
«Vor einiger Zeit ist mir bewusst geworden, dass wir aktuell mit unserem jungen, talentierten Team die beste Chance haben, im Rahmen eines langfristig ausgelegten Projekts eine Olympia-Teilnahme anzustreben. Es ist ein Signal an unsere jungen Spielerinnen, dass sie träumen dürfen. Dass sie vieles erreichen können, wenn sie hart genug arbeiten. Man merkt ihnen an, dass die «Road to Brisbane» bereits etwas ausgelöst hat. Passend zum olympischen Feuer wurde auch das Feuer bei den Spielerinnen entfacht.
Es ist ein langer Weg, den wir Schritt für Schritt gemeinsam angehen. Das Ziel der Olympia-Teilnahme ist ambitioniert, aber aus meiner Sicht realistisch. Auch ich als Trainer will mich in dieser Zeit weiterentwickeln. Ich freue mich sehr auf die gemeinsame Reise, welche uns hoffentlich 2032 nach Brisbane führt. Wichtig ist, dass wir alle das richtige Mindset haben und dem grossen Ziel vieles unterordnen. Dann sehe ich gute Chancen für uns.»
Der erste Funke ist gezündet. Jetzt liegt es an allen Beteiligten, ihn weiterzutragen, immer wieder neu zu entfachen und gemeinsam dafür zu sorgen, dass daraus ein grosses Feuer wird.
Brisbane 2032 ist noch weit weg. Aber jedes grosse Ziel beginnt mit einem Funken.
No Fire without a spark.
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