Nationalteams Nachwuchs • 12.07.2026

Das Schweizer U21-Nationalteam fliegt durch die EM-Vorrunde und sichert sich souverän den Gruppensieg. Auf dem Weg in den Viertelfinal warten nun die Topnationen Deutschland und Frankreich.
Die Spieler hüpfen im Kreis, die Staffmitglieder liegen sich in den Armen: Die Schweizer feiern am Samstag ausgelassen den 40:23-Erfolg gegen die Färöer Inseln. Dank dem dritten Sieg innerhalb von vier Tagen beenden sie die Vorrunde an der U20-Europameisterschaft auf dem ersten Platz und ziehen in die Hauptrunde (Top 12) ein. Davor hatten sie in der Gruppe B bereits der Türkei (50:32) und Serbien (35:25) keine Chance gelassen. «Das haben wir selber nicht so deutlich erwartet. Wir zeigen sehr geschlossene Mannschaftsleistungen», vermerkt der rechte Aufbauer Nils Epp.
Tatsächlich rechnete man mit mehr Gegenwehr: «Unsere Gruppe ist schwierig und sehr ausgeglichen, jeder kann jeden schlagen», meinte U21-Nationaltrainer Petr Hrachovec vor dem Kontinentalturnier in Rumänien. Sein Team ist dem Rest allerdings haushoch überlegen. Im Startspiel gegen die Türkei brauchen die Schweizer zwar 30 Minuten, um auch sportlich in Cluj-Napoca anzukommen – nach einer etwas wilden ersten Halbzeit führen sie nur mit 20:19. Danach findet die SHV-Auswahl aber ihren Rhythmus – und steigert sich kontinuierlich.
«Brutale Defense» – und viel Tempo im Angriff
Prunkstück ist etwas überraschend die Abwehr, die stabil und solidarisch auftritt. Die 6-0-Formation, die je nach Gegner auf den Halbpositionen etwas offensiver agiert, gefällt mit guter Absprache, Beinarbeit und Aggressivität. Phasenweise verteidigen die Schweizer unter der Regie der Innenblock-Akteure Mathis Rüegger und Moritz Heinl derart gut, dass sie die Paraden des starken Torhüters Lino Schneider gar nicht brauchen. Gegen die Färinger werden beispielsweise viele Angriffe entschärft, bevor der Konkurrent auf das Tor werfen kann. «Wir legen eine brutale Defense hin», sagt Epp.
Im Angriff setzen die Schweizer erwartungsgemäss auf Tempo. Gegenstösse, schnelle Mitten und viel Qualität in 1-gegen-1-Situationen prägen eine Offensive, die kaum einmal den Fuss vom Gaspedal nimmt. Das führt zwar zu technischen Fehlern und unpräzisen Abschlüssen, die mitunter ein gesundes Mass übersteigen. Doch insgesamt spielt die Schweiz bisher Katz-und-Maus, der Konkurrenz geht es zu schnell. «Läuferisch sind wir extrem gut. Wenn der Gegner nach 40 Minuten nicht mehr bei 100 Prozent ist, powern wir weiter», erklärt Epp.
«Wir müssen uns vor keinem Gegner verstecken»
Exemplarisch hierfür ist das Duell zwischen dem 1,78-Meter grossen Spielmacher Tiago Cuencas und dem serbischen 2,05-Meter-Hünen Ivan Simic. Klein, aber oho – die Schweizer kompensieren ihre physische Unterlegenheit mit Speed und List. Cuencas ist dabei der Taktgeber der Schweizer, mit 31 Treffern führt er die EM-Torschützenliste nach der Vorrunde an. Neben ihm entwickeln auch Epp, Manoy Ugiagbe, Neil Röttges und Rino Hochuli viel Zug aufs Tor. Nur das Spiel über den Kreisläufer ist in der Offensive ein markantes Manko.
In der Hauptrunde treffen die Schweizer am Montag (18.30 Uhr) auf Deutschland, am Dienstag (16 Uhr) auf Frankreich. Grosse Kaliber, gegen die sie jüngst an der Airport-Trophy verloren haben, doch das Selbstvertrauen steigt. «Zwei Siege liegen drin», findet Epp, «wir sind im Flow und müssen uns vor keinem Gegner verstecken.» Die Ausgangslage, um sich für die Viertelfinals zu qualifizieren, ist jedenfalls ausgezeichnet, den Sieg gegen die Färöer Inseln nehmen sie nämlich in die Hauptrunde mit. Neben den beiden Erstklassierten kommen auch zwei von drei Gruppendritten in den Viertelfinal. Doch auf Rechenspiele habe man keine Lust, betont Epp: «Wir wollen den Gruppensieg holen.»
Schweiz - Türkei 50:32
Schweiz - Serbien 35:25
Schweiz - Färöer 40:23
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