Die Saison 2025/26 markiert einen Wendepunkt für die Kommunikation des Schweizerischen Handball-Verbands. Nach den Abgängen von Raphael Bischof und Carolin Thevenin wurde die Abteilung neu organisiert.
Die beiden haben die Kommunikation des SHV über viele Jahre entscheidend geprägt. Für ihr grosses Engagement gebührt ihnen ein herzlicher Dank. Kommunikation und Marketing wurden in diesem Zuge zu einer gemeinsamen Einheit zusammengeführt, während Vermarktung & Sponsoring neu eigenständig geführt wird. Damit verbunden war die Frage, welche Rolle Verbandskommunikation in einer veränderten Medienwelt künftig einnehmen soll.
Vom Berichten zum Erzählen
Resultate, Liveticker und Spielberichte sind heute in Echtzeit verfügbar. Der SHV will deshalb keine Zeitung des Schweizer Handballs mehr sein, sondern jene Geschichten erzählen, zu denen nur er Zugang hat: Hintergründe, Persönlichkeiten, Entwicklungen und Emotionen. Dieser Paradigmenwechsel erforderte ein bewusstes «Tabula rasa». Bestehende Gefässe wurden reduziert oder eingestellt, Prozesse hinterfragt und Ressourcen neu fokussiert. Die Saison war geprägt vom Ausprobieren, Weglassen und Lernen. Nicht jede Entscheidung und nicht jedes Produkt funktionierte auf Anhieb. Die Phase war jedoch notwendig, um zu erkennen, wo der SHV künftig die grösste Wirkung erzielen kann.
Kommunikation endet nicht beim Erzählen einer Geschichte. Marketing beginnt nicht erst beim Ticketverkauf. Beide verfolgen dasselbe Ziel: den Schweizer Handball sichtbarer, relevanter und emotionaler zu positionieren. Beim Männer-Länderspiel gegen Italien im Zürcher Hallenstadion verband der SHV erstmals gezielt organische Inhalte mit datenbasierten Social-Media-Kampagnen. Die hohe Resonanz lieferte wichtige Erkenntnisse für künftige Veranstaltungen und die Heim-Europameisterschaft 2028.
Auch die Frauen-Weltmeisterschaft 2025 und die Männer-Europameisterschaft 2026 wurden bewusst anders begleitet. Im Mittelpunkt standen Einblicke hinter die Kulissen, Persönlichkeiten und emotionale Geschichten. Die beiden Turnierkampagnen der Frauen- und Männer-Nationalteams erzielten 2,83 Millionen Video-Views, erreichten über 558’000 Menschen ausserhalb der bestehenden Community und führten zu mehr als 3’000 neuen Followerinnen und Followern innerhalb von 6 Wochen. Über die gesamte Saison gewann der Instagram-Kanal mehr als 7’000 neue Followerinnen und Follower und verdoppelte damit das Wachstum gegenüber der Vorsaison nahezu. Die Zahlen bestätigen: Wirkung entsteht nicht durch mehr Inhalte, sondern durch klar positionierte Geschichten.
Neue Rollen in der Liga-Kommunikation
In der zweiten Saison mit RED+ verzichtete der SHV erstmals auf die klassische Roundup-Berichterstattung. Diese hatte zuletzt lediglich rund 150 bis 200 Aufrufe pro Runde erzielt. Während der Playoffs setzte der Verband stattdessen auf Einordnungen und Inhalte mit zusätzlichem Mehrwert. Gleichzeitig konnte bei RED+ die Weiterentwicklung vorangetrieben werden und die Qualität hat sich auf einem stabilen und hohen Niveau etabliert. Mit dem Digital Hub wurde zudem erstmals eine zentrale Plattform für den Schweizer Ligahandball geschaffen. Sie soll als digitale Heimat der Topligen weiterentwickelt werden. Über Blick Sport wurden rund 1,5 Millionen Pageviews auf der Spielberichterstattung erzielt und damit deutlich mehr Menschen erreicht als über die eigene Website.
Strategie statt Tagesgeschäft
Erstmals entstand eine gemeinsame Strategie für Kommunikation und Marketing. Im Zentrum steht das Leitmotiv:
Mit der Community out of Community.
Die bestehende Community soll nicht nur gepflegt, sondern als Botschafterin des Schweizer Handballs gewonnen werden. Gemeinsam mit ihr sollen neue Zielgruppen erreicht, aktiviert und begeistert werden. Kommunikation wird künftig nicht mehr an der Anzahl publizierter Beiträge gemessen, sondern an ihrer Wirkung: Sichtbarkeit schaffen, konkrete Handlungen auslösen und langfristige Bindung aufbauen.
Fundament bis Brisbane 2032
Die EHF EURO 2028 im eigenen Land ist der nächste grosse Meilenstein. Der Blick reicht jedoch bis zur Verbandsvision Brisbane 2032. Internationale Grossanlässe, datenbasierte Kampagnen, digitale Plattformen und die konsequente Positionierung der Nationalteams sollen den Schweizer Handball nachhaltig sichtbarer und relevanter machen.
Die Saison 2025/26 war damit nicht das Jahr möglichst vieler abgeschlossener Projekte. Sie war das Jahr, in dem der SHV begonnen hat, seine Kommunikation neu zu denken. Nicht als Zeitung des Schweizer Handballs, sondern als Organisation, die gemeinsam mit ihrer Community Geschichten erzählt, die weit über den Handball hinauswirken.