Werde Schiedsrichter!

Pilotversuch des Projekt Schiedsrichter-Gewinnung des SHV. (Bild: Roland Peter)

Wer sich als Schiedsrichter einsetzen will, soll stärker begleitet und gefördert werden. Dafür wird der Schweizerische Handball-Verband (SHV) die Ausbildung der Unparteiischen auf die Saison 2019/20 komplett neu strukturieren. Davon profitieren vor allem auch die Vereine.

Die Grundidee

Statt eines zweitägigen theoretischen Kurses und anschliessendem Turniereinsatzes durchläuft ein Schiedsrichter während seiner Ausbildung mehrere Module. Diese bestehen aus Gesprächen mit einer Bezugsperson, einem Grund- und einem Vertiefungskurs und vor allem aus praktischen Einsätzen.

In jeder Phase steht der werdende Schiedsrichter in engem Austausch mit einem Betreuer vor Ort: Gemeinsam halten sie die gemachten Fortschritte fest und definieren neue Ziele. Je nach Kenntnisstand und Auftreten durchläuft der sogenannte «Schiedsrichter-Aspirant» zwischen zwei und vier (wenn nötig, auch mehr) Praxismodule. «Bei der Mehrheit der Aspiranten wird die Ausbildung etwa ein Jahr dauern», schätzt Christian Müller, der für die Umsetzung der Kurse zuständig ist.

Sich als Referee behaupten

Nicht nur der Aufbau, auch die Ausbildungsinhalte der Kurse werden grundlegend revidiert. «Plakativ gesagt gab es bislang viel Administration, Regellernen und abschliessend einen Test, den man bestehen musste», so Christian Müller. Neu lernt der Aspirant als Erstes, wie er sich als Schiedsrichter verhalten soll, um das Spiel überzeugend zu leiten. «Gemeint sind damit Handzeichen, Pfeifen- und Körpersprache auf und neben dem Feld», erklärt Müller. Dazu kommen im Grundkurs grundlegende Elemente des Spielverständnisses und praktische Informationen zur Organisation.

Nach dem Grundkurs durchläuft der Aspirant eine erste praktische Einsatzphase, in der er hauptsächlich Spiele an Turnieren leitet. Erst danach folgen im Vertiefungskurs und im Selbststudium regeltechnische Schwerpunkte. Und der Regeltest? «Eine Beurteilung der Regelkenntnisse wird es auch in der neuen Ausbildung geben, so Christian Müller, allerdings zu einem anderen Zeitpunkt und wohl auch in einer angepassten Form.»

Persönlicher Austausch

Dass dem Schweizer Handball immer mehr Schiedsrichter fehlen, ist kein Geheimnis. Die Gründe dafür seien aber vielschichtig und nicht nur sportartspezifisch, so Projektleiter Ulrich Pfister. Unter anderem sei das bisherige Programm mit einem einzigen Einstiegsdatum auf Saisonende nicht mehr angepasst. Dem wird nun mit insgesamt sechs geplanten Daten in der Deutsch- und vier in der Westschweiz entgegengewirkt.

Zudem fehlte bislang ein dem Grundkurs vorgesetzter Filter innerhalb der Vereine. In der Folge waren die Kurse zwar voll, die Absprünge schon kurz nach den ersten Einsätzen aber enorm. Für Ulrich Pfister ist klar: «Es darf nicht mehr vorkommen, dass Anwärter an Kurse geschickt werden, ohne vorgängig  über den Umfang ihres Engagements, die Erwartungen sowie Aufgaben umfassend informiert worden zu sein.» 

Neu wird jeder Schiedsrichter-Aspirant als Erstes zu einem persönlichen Gespräch mit einem Verantwortlichen eingeladen. «Dabei geht es ums Kennenlernen und darum, die persönlichen Beweggründe und Ressourcen abzuklären», sagt Ulrich Pfister.

Und: Die Kandidaten erfahren genau, worauf sie sich als Schiedsrichter einlassen. Am Ende des Gesprächs entscheidet eine erste Beurteilung, ob der Aspirant den Grundkurs besuchen kann oder nicht. Dem müssten sich die Vereine bewusst sein: Eine Ablehnung sei in Absprache mit dem Schiedsrichter-Verantwortlichen des Vereins durchaus möglich, wenn die angemeldete Person überhaupt nicht dem Schiedsrichter-Profil entspricht.

Vorteile für die Vereine

Das Ziel der Umstrukturierung ist denn primär auch nicht, zahlenmässig mehr Schiedsrichter auszubilden. Pfister: «Unser Ziel ist, die wirklich motivierten Personen während ihrer Ausbildung qualitativ so zu begleiten, dass sie ihr Engagement auch weiterführen.»

Wo die Schiedsrichter profitieren, profitieren auch die Vereine. «Für sie bringt das neue Modell definitiv einen Mehrwert», ist der Projektleiter überzeugt. Wer sich als Schiedsrichter engagieren will, kann kurzfristig mit der Ausbildung beginnen. Schiedsrichter-Aspiranten werden nicht «ins kalte Wasser geworfen», sondern erhalten die nötige Zeit, Grundtechniken wie Pfeifen und Handzeichen anzuwenden und praktische Erfahrungen in der Regelanwendung zu sammeln.

Und schliesslich bleibt die Ausbildung – trotz steigender Einsätze von Beobachtern und Betreuern – kostenlos. «Wir bieten den Vereinen Entlastung und Unterstützung. Jetzt liegt es an ihnen, diese zu nutzen», so Ulrich Pfister.

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